Die 10 größten Co-Finanzierungen im Crowdinvesting

Was haben eine Logistik-App aus den USA, eine Banking-App aus Israel und ein Zahnersatz-System aus Deutschland gemeinsam? Sie alle werden sowohl von der Crowd als auch von renommierten Venture-Capital-Firmen finanziert. Sowohl in den USA und Israel als auch in Europa kommt es immer häufiger zu Co-Finanzierungen bei Startups. Dabei arbeiten professionelle Investoren wie Business Angels oder Venture-Capital-Gesellschaften und Crowdinvesting-Plattformen zusammen, um die Finanzierung eines Startups zu sichern. Wir blicken auf die größten Co-Finanzierungen im Crowdinvesting.

Platz 10: GluCase, 2,08 Millionen Euro

GluCase hat eine Smartphone-Hülle mit integriertem Blutzuckermessgerät entwickelt. Das Gerät vereint alle für Diabetiker notwendigen Funktionen: Es ist leicht, robust und kann Blutproben vom Finger entnehmen, die es anschließend auf ihren Zuckergehalt hin analysiert. Die Daten werden dann an den behandelnden Arzt weitergeleitet, der auf erhöhte Werte reagieren kann. Der VC-Investor Techstars und die Crowd der US-Plattform Crowdfunder investierten in einer aktuellen Finanzierungsrunde rund 2  Millionen Euro in das MedTech-Startup aus Kalifornien.

Platz 9: Meine Spielzeugkiste, 2,15 Millionen Euro

Meine Spielzeugkiste ist eine Sharing-Plattform für Kinderspielzeug. Die Idee dahinter: Familien können hochwertige und beliebte Spielzeuge leihen, ohne diese zu kaufen. Das Konzept überzeugte auch Business Angels wie Frank Thelen und Jan Hinrichs, die ebenso investiert sind wie ProSiebenSat.1. Co-finanziert wird die Kampagne vom Münchner VC-Investor BonVenture, der 900.000 Euro in das Berliner Startup investiert hat. Die Alt-Investoren beteiligen sich ebenfalls mit 250.000 Euro. Über Companisto soll noch einmal eine Million Euro hinzukommen.

Platz 8: Style Lend, 2,4 Millionen Euro

Style Lend ist ein Marktplatz für den Verleih hochwertiger Markenkleidung. Das Unternehmen positioniert sich – ganz unbescheiden – als das „Airbnb of Fashion“. Damit konnte Style Lend immerhin einen der namhaftesten Acceleratoren überzeugen: Y Combinator. Hinzu kommen VCs wie Structural Capital und Metamorphic Ventures, die in der Seed-Phase investiert haben und anschließend eine Co-Finanzierung auf der US-Plattform Crowdfunder anschoben. Die Crowdinvestoren zeigten sich überzeugt vom Konzept und investierten rund 2,4 Millionen Euro.

Platz 7: Replicate, 2,5 Millionen Euro

Replicate ist ein patentiertes Zahnersatz-System, das effizienter und Patienten-freundlicher als bisherige Behandlungen ist. Das dahinter stehende Unternehmen, Natural Dental Implants (NDI AG), sammelte bisher rund 14 Millionen Euro Wagniskapital für die Entwicklung der Technologie ein, unter anderem vom High-Tech Gründerfonds und der IBB Beteiligungsgesellschaft. Mit einem öffentlichen Crowdinvesting will das Unternehmen nun das allgemeine Interesse für den angestrebten Börsengang abschätzen. Der VC-Investor GUB Beteiligungsgesellschaft beteiligt sich als Lead-Investor mit einer Million Euro und über Companisto sollen weitere 1,5 Millionen Euro in das Unternehmen fließen.

Platz 6: Shipsi, 3,5 Millionen Euro

Shipsi ist eine Logistik-App zum weltweiten On-Demand-Verschiffen von Waren, bei der auch Künstliche Intelligenz bei der Datenverarbeitung zum Einsatz kommt. Das SaaS-Startup zielt besonders auf kleine und mittelständische Unternehmen und erhielt bereits ein Investment von Propeller VC. Der VC-Investor aus dem Silicon Valley beteiligte sich schon an der ersten Seed-Finanzierung in Höhe von rund 100.000 Euro und begleitete anschließend die Co-Finanzierung über die US-Plattform Crowdfunder. Dort wurden nochmal 3,4 Millionen Euro Wagniskapital von der Crowd bereitgestellt.

Platz 5: RageOn!, 4,9 Millionen Euro

RageOn! ist ein Online-Handelsplatz für Merchandise-Artikel großer Künstler und Musiker. Die VCs I2BF Global Ventures, Seabed VC, Steelhouse Ventures sowie Rocketship VC investierten in einer ersten Finanzierungsrunde etwa 2,5 Millionen Euro in das Startup aus San Francisco. Nun läuft eine Co-Finanzierung zwischen Crowd und VCs über die US-Plattform Crowdfunder. Rocketship VC tritt dabei als Lead-Investor auf. Bisher konnte RageOn! dabei rund 4,9 Millionen Euro einsammeln – und hat damit die Erwartungen um ganze 4 Millionen Euro übertroffen.

Platz 4: Vocalzoom 7,9 Millionen Euro

VocalZoom ist ein Technologie-Startup aus Tel Aviv, das fehlerhafter Spracherkennung ein Ende bereiten will. Möglich machen soll dies ein spezielles Mikrofon, das mittels Laserstrahl die Vibrationen der Gesichtsmuskulatur messen kann. Dadurch werden Störgeräusche herausfiltert und die Fehleranfälligkeit der Spracherkennung drastisch gesenkt. Über die israelische Plattform OurCrowd sammelte VocalZoom insgesamt 7,9 Millionen Euro Wagniskapital für die Weiterentwicklung der Technologie ein. Co-finanziert wurde das Projekt von 3M New Ventures und Motorola Solutions aus den USA, sowie von Radiant Ventures aus Hongkong, die zusammen rund 4,3 Millionen Euro dieser Summe beisteuerten. Der Restbetrag von etwa 3,6 Millionen Euro stammt von der Crowd.

Platz 3: Medical Surgery Technologies, 10,6 Millionen Euro

Medical Surgery Technologies hat ein robotergesteuertes Bildgebungsverfahren für chirurgische Eingriffe entwickelt. In einer Series-C-Finanzierung sammelte das israelische Unternehmen 10,6 Millionen Euro zur Weiterentwicklung der Technologie ein. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde vom chinesischen Investor Haisco Pharmaceutical Group. Allein über die israelische Crowdinvesting-Plattform OurCrowd sammelte das MedTech-Startup rund 2,6 Millionen Dollar der Gesamtsumme ein. Co-finanziert wurde die Kampagne von den israelischen VCs Triventures, SCP Vitalife und Agate Medical Investments.

Platz 2: Hyperloop One, 45,5 Millionen Euro

Hyperloop One entwickelt einen kommerziellen Hyperloop, ein Transportsystem für Hochgeschwindigkeitszüge auf Basis von Vakuumröhren. Das Startup aus Los Angeles ist Vorreiter auf dem Gebiet und konnte insgesamt schon mehr als 136 Millionen Euro Risikokapital von namhaften VCs für die Entwicklung der Technologie akquirieren. Allein in der letzten Finanzierungsrunde im Oktober 2016 sammelte Hyperloop One erneut 42,5 Millionen Euro ein. Knapp 3 Millionen Euro kamen dazu noch über die israelische Crowdinvesting-Plattform OurCrowd zusammen. Co-finanziert wurde die Kampagne von DP World, Formation 8, Sherpa Capital und GE Ventures.

Platz 1: Revolut, 60,7 Millionen Euro

Revolut hat eine Prepaid-Karte und eine App für den internationalen Währungstausch entwickelt. Das britische FinTech-Startup konnte in einer neuen Finanzierungsrunde rund 56,2 Millionen Euro von professionellen VCs einsammeln, darunter Index Ventures, Balderton Capital und Ribbit Capital. Anschließend suchte Revolut auf der britischen Crowdinvesting-Plattform Seedrs nach weiterem Wagniskapital und neuen Kunden. In weniger als 24 Stunden sammelte es dort 4,5 Millionen Euro über die Crowd ein. Damit ist Revolut die bisher größte Equity-based-Crowdfunding-Kampagne überhaupt. Die Kampagne war stark überzeichnet und wurde vorzeitig geschlossen. Hätte Revolut alle 40.000 interessierten Crowdinvestoren angenommen, wären in kurzer Zeit mehr als 18 Millionen Euro zusammengekommen.

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Companisto
Companisto is a German equity-based crowdfunding platform and one of the leading crowdfunding platforms in Europe.

Quellensteuer bei Vortrags- und Künstlerdienstleistungen

Nicht neu aber doch immer wieder in Vergessenheit gerät die Verpflichtung zum Quellensteuerabzug bei bestimmten Dienstleistungen ausländischer Unternehmer. Nach nationalem Steuerrecht werden insbesondere Vortragende, Künstler oder Personalgesteller, die in Österreich tätig werden, mit dem daraus erwachsenden Einkommen in Österreich auch steuerpflichtig. Die Besteuerung der ausländischen Unternehmer ist durch einen idR. 20%igen Quellensteuerabzug im Rahmen der Honorarauszahlung sicher zu stellen.

Schuldet etwa ein österreichischer Veranstalter einem Vortragenden aus dem Ausland ein Honorar iHv. € 1.000 so darf dieser bloß € 800 an den Vortragenden auszahlen, € 200 sind als Quellensteuer einzubehalten. Die einbehaltene Quellensteuer wird infolge an das Finanzamt abgeführt. Zahlreiche Doppelbesteuerungsabkommen sehen allerdings eine Steuerbefreiung derartiger Einkünfte ausländischer Unternehmer in Österreich vor, da die Besteuerung eine feste Einrichtung wie insbesondere ein Büro in Österreich voraussetzt. Um aber von vornherein in den Genuss dieser Quellensteuerbefreiung aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens zu gelangen, muss der ausländische Unternehmer eine von der ausländischen Finanzbehörde auf dem dafür vorgesehenen Formular ZS-QU1 schriftlich bestätigte Ansässigkeitsbescheinigung vorlegen. Beträgt das Honorar weniger als € 10.000 pro Jahr so reicht dieses Formular auch ohne Bestätigung durch die ausländische Finanzbehörde. Wird dieser formale Nachweis nicht erbracht, so bleibt es bei der Quellensteuerpflicht und der österreichische Auftraggeber hat idR. 20% des Honorars einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass Künstler aus Deutschland in Österreich jedenfalls zu besteuern sind, hier somit eine Entlastung niemals erreicht werden kann.

Bei grenzüberschreitender Personalgestellung nach Österreich ist außerhalb einer konzerninternen Personalgestellung ebenfalls eine Vorab – Quellensteuerentlastung nicht möglich. 

Philipp Maderthaner bringt mit Campaigning Bureau US-Spirit nach Österreich

Philipp Maderthaner ist Gründer und Geschäftsführer des Campaigning Bureau, Initiator des Campaigning Summit und gefragter Vortragsredner. Nach seinem Studium der Internationalen Betriebswirtschaft jobbte er viele Jahre in der Politik, wo er zum Schluss nationale und regionale Wahlkämpfe managte. 2014 wurde ihm für seine Pionier-Rolle im Campaigning der “Rising Star Award” des US-Magazins Campaigns & Elections verliehen.

Das Campaigning Bureau ist ein innovatives Technologie- und Kampagnenunternehmen mit Sitz in Wien. Gegründet 2012 unterstützt es mit seinen knapp 25 Mitarbeitern Unternehmen und Organisationen bei ihrer Mobilisierungsarbeit. Im Kern steht mit „Movement Campaigning“ dabei ein einzigartiger Ansatz, der, inspiriert von US-Grassroots-Bewegungen, aus Betroffenen Beteiligte macht – egal ob am Markt, in der Gesellschaft oder innerhalb der eigenen Organisation. Das Campaigning Bureau veranstaltet überdies den Campaigning Summit Europe, eine internationale Fachkonferenz für „Kampagnen, die bewegen“. Die Konferenz mit Teilnehmern aus mehr als 20 Ländern wurde neben dem jährlichen „Flagship“-Event in Wien auch in zahlreichen weiteren Europäischen Städten veranstaltet, darunter etwa Amsterdam, Helsinki und Berlin.

Was treibt Dich an?

Mit der ersten Frage gleich ins Schwarze getroffen. Du hast mir ja angekündigt, dass deine Interviews für viele deiner Gesprächspartner fast etwas Selbstherapeuthisches haben, weil die Fragen ein hohes Maß an Reflexion erfordern. Das kann ich mit der ersten Frage gleich bestätigen! Ich bin tatsächlich gerade in einer Phase, wo ich mich sehr intensiv mit meinem “Warum” auseinandersetze. Was ich weiß, ist, dass die Menschen, die mich umgeben für mich ein unglaublicher Antrieb sind. Privat und beruflich. Was ich auch weiß, ist, dass ich es liebe Unternehmer zu sein, zu erschaffen, zu lenken, zu formen. Egal, ob das im eigenen Unternehmen oder in unseren Kampagnen ist. Was ich nicht weiß, ist, wo das alles noch hinführt.

Wann hast Du begonnen Dich für Kampagnen zu interessieren?

Meine erste Kampagne hab ich als Schulsprecher geführt, nämlich für einen Kaffeeautomaten in unserer Schule. Das war recht lustig und am Ende sogar erfolgreich. Überhaupt hat’s mir damals die ganze Schülervertretungs-Sache angetan. Da konnte ich mich austoben, frühzeitig in die Verantwortung gehen, als Landesschulsprecher und Obmann der Schülerunion, das hat mir getaugt. So eine ehrenamtliche Aufgabe ist eine gute Schule fürs Leben. Man macht irgendwie Erfahrungen in so vielen Bereichen, die einem später helfen: Führung, Organisation, Marketing, Finanzen, alles mögliche. Dass ich danach so in die Kampagnen-Schiene kippe hat sich damals aber eigentlich überhaupt noch nicht abgezeichnet.

Hat es dafür einen bestimmten Auslöser gegeben?

Irgendwie bin ich über verschiedene Zufälle in der Politik gelandet und hab dort Blut geleckt. Gar nicht so an der Politik selbst, mehr an der Mechanik, wie das Zusammenspiel von Politik und Öffentlichkeit funktioniert. Das hat mich fasziniert. Wer einmal schon bei einem Wahlkampfauftakt gestanden hat, zwischen Tausenden Menschen, und dort dieses Energie gespürt hat, die sich auflädt und dann, wie wenn man einen gespannten Bogen loslässt, entlädt und in eine wochen- oder oft sogar monatelange Bewegung mündet – das hat mich begeistert. Das war vor mittlerweile 15 Jahren. Die zündende Erkenntnis für mein Tätigkeitsfeld heute kam rund um 2008, mit dieser legendären Kampagne von Barack Obama. Da hab ich begonnen zwei Dinge zu verstehen, auf die letztlich unser heutiger Campaigning-Ansatz aufbaut: Erstens, die Digitalisierung und Vernetzung stellt alles auf den Kopf. Du kannst heute mit Leidenschaft und Mobilisierungskraft etwas in die Gänge bringen und schaffen, von dem du früher nur träumen konntest. Zweitens, diese Entwicklung betrifft nicht nur Politik, sondern jede Form von Organisation und Unternehmen, die für ihren Erfolg, auf eine entsprechende Anhängerschaft angewiesen ist. Mobilisierungskraft ist sowas wie eine neue Währung in einer vernetzten Welt, wenn’s darum geht am Markt oder in der Gesellschaft erfolgreich zu sein. Diese Gedanken sind eigentlich der Keim aus dem das Campaigning Bureau entstanden ist und warum ich beim Thema Campaigning hängen geblieben bin.

Was sind so die spannendsten Dinge dabei?

Ich persönlich finde zwei Dinge am Spannendsten: Erstens, wenn eine Kampagne aus dem Nichts entsteht. Etwas, das vorher noch nicht da war und danach plötzlich fester Bestandteil im Leben von Menschen ist, die davon betroffen sind, sich anschließen, beteiligen und damit im Besten Fall auch verwirklichen. Und zweitens: Der Punkt, an dem eine Kampagne Momentum gewinnt, wenn du spürst, dass da was ins Rollen kommt, das nicht mehr aufzuhalten ist. Das ist jedes Mal wieder ein Kick.

Was macht erfolgreiche Kampagnen aus?

Dazu muss ich kurz ausholen. Der Kampagnenbegriff ist ja leider etwas verwässert über die Zeit. Heute ist ja alles was glänzt und blinkt gleich eine Kampagne. Seinen Ursprung hat das Wort im Französischen, la campagne. So beschrieb man früher Feldzüge. Es ging also um Eroberung. Und so sehe ich es im übertragenen Sinne auch heute noch: Es ist die Kunst, Herzen, Märkte und Gesellschaften mit Ansichten, Überzeugungen und Ideen zu erobern. Aus Betroffenen Beteiligte zu machen. Aus Gleichgesinnten Mitstreiter. Und aus Leidenschaft eine Bewegung. Das ist für mich Kampagne! Mehr als nur Kommunikation.

Du hast dich auch intensiv mit Kampagnen in den USA beschäftigt. Was sind denn da so deine learnings für den europäischen Markt?

Dass alles was methodisch abstrahierbar ist, auch übertragbar ist. Die Methodik ist die gemeinsame Sprache, die grenz- und branchenübergreifend Gültigkeit hat. So unterschiedlich, wie wir oft glauben, oder hoffen zu sein, sind wir nämlich gar nicht.

Was sind denn beim camapaigning so die größten Unterschiede bei der Vermarktung (Begleitung) von Personen bzw. Produkten?

Menschen kaufen Überzeugungen. Egal ob am Ladentisch, in der Wahlzelle oder im Internet. Ab dem Zeitpunkt wo ein Unternehmen, eine Organisation oder eine Person sich vorrangig über ihre Überzeugungen definiert, greifen die methodischen Prinzipien nach denen wir jeden Tag arbeiten. Das ist es, was mich eigentlich heute noch fasziniert, dass so vieles übertragbar ist. Bei Politik ist natürlich eines spannend: Das Produkt kann sprechen. Wobei das kann Siri ja mittlerweile auch.

Du hast ja schon in jungen Jahren das Veranstaltungsformat „campaigning summit“ ins Leben gerufen. Was macht das Summit so besonders?

Der Campaigning Summit ist absolut ein Herzensprojekt. Den gibt es, weil er mir selbst gefehlt hat. Eine Konferenz, wo sich Politik, Wirtschaft und NGOs treffen, um sich über Fragen auszutauschen, die alle gleichermaßen beschäftigen, um voneinander zu lernen. Ein Setting, in dem Speaker Rede und Antwort stehen und sich nicht nur hinter ihren Keynotes verstecken können. Und ein Format, das über den Tellerrand blickt, vor allem in Sachen Internationalität.

Wann und warum hast Du die Entscheidung getroffen, dass Format auf andere Länder auszudehnen?

Die Internationalisierung des Summit ist für uns eine durchwachsene Sache, mit vielen Höhen und Tiefen, teilweise auch mit persönlichen Enttäuschungen und Niederlagen. Der eigentliche Gedanke war einfach, das Konzept, das funktioniert, über Franchise zu verbreitern, um dem Campaigning Thema eine noch größere Plattform zu bescheren. Das hat manchmal funktioniert, etwa in Amsterdam, Helsinki und Berlin. Andernorts aber auch nicht. Wie heißt es so schön: Sometimes you win, sometimes you learn.

Wie schauen Deine längerfristigen Ziele mit dem campagning Summit aus? Oder anders gefragt, wo möchtest Du in ein bzw. zwei, drei Jahren stehen?

Das Thema Campaigning-Netzwerk, in dieser Kategorie verstehen wir auch den Campaigning Summit, wird bei uns massiv an Bedeutung gewinnen. Wir haben uns im Dezember dazu auch personell verstärkt. Dementsprechend ist hier einiges zu erwarten, das über den Event an sich hinaus geht.

Du bist ja sowohl mit dem campaigning Bureau und dem Campaigning Summit sehr erfolgreich unterwegs? Wie wichtig ist für dich Erfolg?

Zu wichtig (lacht). Ich würde mich selbst schon als Erfolgsjunkie beschreiben. Aber die Maßstäbe haben sich über die Jahre verändert. Ich habe das Campaigning Bureau ja ziemlich klischeemäßig alleine mit meinem Laptop auf der Couch daheim begonnen. Am Anfang war es sicher der Antrieb eine bestimmte Dimension eines Unternehmens zu verwirklichen, in Sachen Mitarbeiter, Umsatz, Gewinn, Projekte, was man sich halt so vornimmt. Irgendwann kommst du zu dem Punkt, wo ‘mehr’ nicht automatisch ‘besser’ oder ‘erfüllender’ bedeutet. Dann weißt du, du brauchst andere Maßstäbe. Wir hatten auch 2016 wieder fast 30 Prozent mehr Umsatz, davor Jahre mit 50 oder 70 Prozent mehr. Meinen Erfolg im letzten Jahr definiere ich aber mehr darüber, was ich gelernt hab, aus Fehlern, im Umgang mit Menschen, in der Auseinandersetzung mit mir selbst. Und darüber, ob ich in der Lage bin, etwas zu schaffen, das für mich und für andere erfüllend ist.

Welchen Stellenwert nimmt das Themenfeld Entrepreneurship bei Dir ein?

Einen extrem hohen. Ich bin Unternehmer aus Leidenschaft, tiefster Überzeugung und mit unendlicher Begeisterung! Es ist die Rolle meines Lebens. Ich verschlinge Bücher, die sich mit dem Unternehmertum in all seinen wunderbaren Facetten beschäftigen, ich konsumiere allerhand Feeds und Zeitschriften, bis hin zu den einschlägigen Experten, denen ich online folge. Das Pionierhafte, der visionäre, lenkende und schöpferische Geist des Unternehmers, damit identifiziere ich mich zu 100 Prozent. Ich bilde mich auch aktiv weiter als Unternehmer, einerseits fachlich, aber auch in Sachen Führung und Mind-Management. Das wirklich aufregende für mich ist, dass Unternehmertum heute so breit gefächert ist. Für mich ist auch jemand, der ehrenamtlich eine Initiative auf die Beine stellt ein Unternehmer. Unternehmertum muss nicht immer profitorientiert sein. Es sind Menschen, die eine Vorstellung davon haben, wie die Dinge sein sollten und auch dafür aktiv werden. Ich habe das Gefühl es wächst gerade eine völlig neue Generation an Unternehmern heran. Eine Generation von Überzeugungstätern im positivsten Sinne. Die mehr wollen, als bloß ein Produkt zu verkaufen, die vielmehr für eine Idee, eine Vision, eine Mission, eine Überzeugung, einen Standpunkt eintreten und gleichzeitig antreten, um was zu bewirken. Und damit auch ihr Geld zu verdienen. Das begeistert mich.

Bist Du ein neugieriger Mensch? Wenn ja, wie zeigt sich das konkret?

Ich sauge sehr viel von dem auf, was ich jeden Tag wahrnehme. Ich bin ein sehr impuls-getriebener Mensch. Das bedeutet, ich lese, höre oder sehe etwas und in mir springt ein Motor an, der unaufhaltsam Ideen oder Gedanken produziert. Die Neugierde ist bei mir daher etwas, das aus der Reaktion auf einen äußeren Impuls entsteht.

Was würde der Welt abgehen, wenn es euch nicht geben würde?

Ein Unternehmen, das mit dem ehrlichen Anspruch ans Werk geht, selbst Dinge anders zu machen, jeden Tag zu lernen, Sachen besser zu machen, um am Ende Großes zu bewegen. Und mit Groß meine ich nicht die Weltherrschaft wie Pinky & Brain. Mit Groß meine ich die Größe, die im Kleinen steckt. Die eine Blutspende mehr, die wir durch unsere Kampagne gewinnen. Der Stolz und die Dankbarkeit des Bauern, über die Wertschätzung, die er durch unsere Kampagne erfährt. Die Motivation, die eine Mitarbeiterin auf Kundenseite empfindet, weil sie mit unserem gemeinsamen Projekt wieder Freude an ihrer eigenen Arbeit hat. Die Anerkennung, die unser Kunde von seinen Kunden bekommt, weil er sich einer guten Sache widmet. Das würde der Welt abgehen.

Was treibt Dich an immer wieder neue Projekt zu starten?

Ich kann einfach nicht anders (lacht). Im Gegenteil, ich muss mich bremsen und lerne Beharrlichkeit und Dinge fertig zu machen. Im Beginnen von Sachen bin ich schon recht gut.

Wo findest Du den Raum um Deine Leidenschaft ausleben zu können?

Ich würde sagen meistens nimmt sich meine Leidenschaft den Raum, sobald sich dieser auftut. Die meisten Ideen habe ich entweder am Wochenende oder frühmorgens im Bad. Mein Tagesablauf ist aufgrund des Betriebes, den wir am Laufen haben, mit all den Verpflichtungen, ein sehr klassischer, mit vielen Terminen, intern und extern. Drum hab ich mir vor einiger Zeit unter Qualen eine Morgen-Routine auferlegt, die um 5.30 Uhr startet, wo ich zwei Stunden für Reflexion und Vision hab, kombiniert mit ein wenig Sport. Auch am Wochenende, wenn der Kopf ein wenig runter kommt, nutze ich die Zeit, meistens um zu lesen oder für konstruktives Nichtstun, dann springt der Ideen-Motor schon wieder an.

Worauf verzichtest Du, um Deine Leidenschaft ausleben zu können?

Eigentlich auf nichts. Die Antwort überrascht mich jetzt selbst.

Was ist eigentlich das Schönste bei Deiner Arbeit?

Das Schönste ist gleichzeitig manchmal das Belastendste: Ich kann beeinflussen wohin sich die Dinge entwickeln. Das bedeutet halt auch man ist seines eigenen Glückes Schmied in jeder Hinsicht. Darüber hinaus würde ich sagen, sind es die Menschen, mit denen ich arbeite. Handverlesen, großartige Persönlichkeiten, einfach der Hammer!

Wer sind Deine wichtigsten und stärksten Unterstützer?

Definitiv mein Team im Campaigning Bureau, allen voran mein Geschäftspartner. Ich ziehe die größte Kraft und Motivation aus den Leuten, mit denen ich arbeite. Vor allem natürlich aus der Arbeit mit meinem innersten Führungskreis in der Firma. Ich liebe diese Leute, ich schätze sie. Ihr Vertrauen und ihre Loyalität bedeuten mir alles. Ich sehe jeden Tag in meinem Unternehmen Leute, die, so wie ich, an sich arbeiten, die Fehler machen, die lernen, die wachsen, weil wir sie fordern, weil wir uns gegenseitig fordern. Manchmal überfordern uns Dinge. Mich auch. Dann ist die Frage: Arbeitest du in einem Team, das es ehrlich meint, mit anständigen, aufrichtigen Leuten, die dich nicht verurteilen oder hinter deinem Rücken schlecht machen. Ich bin froh heute sagen zu können, dass ich in und mit so einem Team arbeite.

Wer baut Dich auf, wenn es einmal nicht so klappt?

Ich habe privat einen sehr erlesenen Kreis an wirklich wunderbaren, einzigartigen und liebenswerten Menschen, auf die ich bauen kann. Sie kennen mich. Sie sind mein sicherer Hafen. Sie freuen sich mit mir, sie feiern mit mir und sie sind auch da, wenn’s mal nicht so läuft.

Wohin wird Dich deine Arbeit noch bringen? Gibt es noch geheime Projekte?

So geheim, dass selbst ich sie nicht kenne (lacht). Ganz ehrlich: Wenn ich wüsste, wohin das alles führt, dann wär mir leichter. Meine Leidenschaft für Campaigning ist ungebrochen. Und die nächste Wachstumsphase des Unternehmens wird sicher davon geprägt sein, den methodischen Ansatz einem noch breiteren Markt zuzuführen. Einerseits über unsere eigens entwickelte Software-Lösung, den Cambuildr, andererseits auch über die Bedienung neuer Kundensegmente, eine Art Empowerment-Angebot für kleinere Kampagnen, Organisationen und Start-Ups. Ein Buch steht auch am Programm, weil es zwar eine Ehre ist, kopiert zu werden, aber ich finde zitiert zu werden dann doch erstrebenswerter. Und meine zweite Leidenschaft, das Unternehmertum an sich, wer weiß, was sich da noch auftut. Ich verspüre schon das innere Bedürfnis, mich auch dem inhaltlich tiefer zu widmen. Wir werden sehen, was dabei rauskommt.

Wie gelingt es Dir Menschen für Deine Leidenschaft zu begeistern?

Das kann ich nur mit einer Binsenweisheit beantworten. Ich bin selbst begeistert. Damit fängt’s an. Du kannst nichts geben, was du selbst nicht hast. Leidenschaft und Begeisterung in dir ist der Anfang von Allem.

Was sagen eigentlich Deine Freunde, Dein Umfeld, Deine Familien zu diesem Engagement?

Meine langjährigste Freundin hat schon vor 15 Jahren gemeint, dass ich der geborene Unternehmer wäre. Damals hab ich damit noch nichts anfangen können. Ich glaube es finden alle in Summe recht stimmig.

Hast Du Tipps für unsere LeserInnen?

Meine Erfahrung ist, man kann sich ganz schön narrisch machen, vor allem auch als Unternehmer, wenn man das Bild, das uns in Medien und Sozialen Netzwerken vermittelt wird, zum Maßstab nimmt. Wenn’s danach ginge surfen alle Unternehmer im Dauer-Flow von Erfolg zu Erfolg, erzielen Durchbrüche über Nacht, jeder Startup-Gründer lebt das Leben seiner Träume und bei allen läuft’s super! Die Wahrheit ist: Jeder erfolgreiche Mensch hat Höhen und Tiefen, manchmal läuft’s und manchmal weniger, es gibt Erfolgserlebnisse und es gibt mühsame und zähe Phasen und das ist okay. Mein Tipp ist also: Mach einfach dein Ding und mach’s so gut du’s kannst! Der Rest kommt von selbst.

Hast Du einen Wunsch?

Ich wünsch euch und diesem wirklich großartigen Blog und Interview-Format unendlich viel Erfolg. Was du da gestartet hast ist in Sachen Spirit und Mission einfach die richtige Sache zur richtigen Zeit. Ich wünsche mir, dass viele Leserinnen und Leser mit den Geschichten und Interviews hier Inspiration und vielleicht auch Motivation finden, ihrer eigenen Bestimmung zu folgen und was zu tun, aktiv zu werden. Und dass diejenigen, die schon auf dem Weg sind, es mit anderen teilen.

Hast Du für unsere LeserInnen einen Buchempfehlung, einen webtipp, einen Tipp für einen inspirierenden Platz, …?

Die letzten beiden Business-Bücher, die ich gelesen habe, waren “From Good to Great” und “The Hard Thing about Hard Things”, beide auf ihre eigene Art und Weise sehr inspirierend für Unternehmer und die, die es noch werden wollen.