Die abgabenoptimale PKW-Anschaffung

Die Anschaffung und der Betrieb von Kraftfahrzeugen sind ob ihrer umweltschädigenden Auswirkungen abgabenrechtlich stark belastet. Während Normverbrauchsabgabe und Mineralölsteuer die Anschaffungskosten bzw. Betriebskosten direkt erhöhen, bestehen zahlreiche Regelungen, die die ertragsteuerliche Abzugsfähigkeit und die Vorsteuerrückvergütung einschränken. Umgekehrt gibt es auch einige Möglichkeiten für den Abgabepflichtigen, die steuerliche Belastung zu reduzieren. Grundsätzlich gilt, je günster und umweltschonender das Fahrzeug, umso niedriger die Abgabenbelastung.

Es bestehen zwei Möglichkeiten, die Kosten eines Kraftfahrzeuges abgabenrechtlich geltend zu machen. Wird das Fahrzeug zu weniger als 50% betrieblich genutzt, dann können pro nachweislich gefahrenen Kilometer € 0,42 an Kilometergeld abgezogen werden. Alternativ kann das Kraftfahrzeug in das Betriebsvermögen aufgenommen und die tatsächlichen Kosten geltend gemacht werden. Bei einer betrieblichen Nutzung von mehr als 50% ist die Aufnahme ins Betriebsvermögen verpflichtend.

Die Wahl der Finanzierung des KFZs, hat kaum einen Einfluss auf die abgabenrechtliche Behandlung. Gleichgültig ob es sich um ein Leasingfahrzeug, ein kredit- oder ein eigenfinanziertes Fahrzeug handelt, die Finanz stellt immer auf die tatsächlichen Anschaffungskosten des Kraftfahrzeuges und dessen Emissionen ab. Die (fiktiven) Anschaffungskosten werden über die jährliche Abschreibung immer auf 8 Jahre, bzw. bei Gebrauchtfahrzeugen auf die Restnutzungsdauer aufgeteilt. Nur bei operativen Leasingverträgen, somit echten Mietverträgen wird die Miete ohne Rücksicht auf die Nutzungsdauer als Aufwand behandelt.

Kraftfahrzeuge mit Anschaffungskosten über € 40.000, stellen „Luxus“ dar. Sämtliche wertabhängige Kosten wie insbesondere Abschreibung, bzw. Leasing und Versicherung sind aliquot im Ausmaß des die Luxusgrenze überragenden Anteils nicht abzugsfähig. Bei Gebrauchtfahrzeugen wird auf die historischen Neuanschaffungskosten abgestellt, es sei denn das Kraftfahrzeug ist älter als fünf Jahre.

Personen- und Kombinationskraftfahrzeuge geniesen grundsätzlich keinen Vorsteuerabzug. Bei Fiskal – LKW, wie insbesondere Kleinbussen und bei elektrobetriebenen Kraftfahrzeugen ist der Vorsteuerabzug hingegen erlaubt. Bei Letzteren wird jedoch für Anschaffungskosten, die zwischen € 40.000 und € 80.000 liegen, der Vorsteuerabzug aliquot eingeschliffen, sodass bei E-Fahrzeugen mit Anschaffungskosten über € 80.000 wieder überhaupt kein Vorsteuerabzug zusteht.

Schafft eine Kapitalgesellschaft, wie insbesondere eine GmbH, ein Kraftfahrzeug an, so muss für den Geschäftsführer oder Angestellten, der das Kraftfahrzeug auch privat nutzt ein abgabenpflichtiger Sachbezug verrechnet werden. Dieser liegt bei einem CO2-Verbrauch von über 127mg bei monatlichen 2% der Anschaffungskosten, maximal aber € 960,- pro Monat. Bei einem Schadstoffausstoß von 127mg CO2 und weniger bemisst sich der Sachbezug auf 1,5% maximal € 720 pro Monat. Wird das Kraftfahrzeug nachweislich weniger als 3.000km pro Jahr privat gefahren, so ist bloß die Hälfte des Sachbezuges zu verrechnen. Der Nachweis erfolgt anhand eine Fahrtenbuchs. Bei Elektro-Fahrzeugen mit einem Schadstoffausstoß von 0 mg CO2 ist kein Sachbezug zu berechnen.

Neben den Lohnnebenkosten ist die private Nutzung auch der Eigenverbrauchs – Umsatzsteuer zu unterwerfen, zumindest wenn das Unternehmen einen Vorsteuerabzug gelten machen konnte. Schließlich soll die private Nutzung nicht umsatzsteuerbefreit erfolgen. Mangels Vorsteuerabzus gelangt die Eigenverbrauchs Umsatzbesteuerung bei herkömmlichen Kraftfahrzeugen von vornherein nicht zur Anwendung. Bei Fahrzeugen mit Vorsteuerabzugsberechtigung entspricht die Bemessungsgrundlage für den Sachbezug den ertragsteuerlichen Werten aus dem vorherigen Absatz. Nachdem bei Elektrofahrzeugen der Sachbezugswert bei 0% liegt, ist trotz Vorsteuerabzugs keine Umsatzsteuer zu verrechnen.

Ebenfalls vom CO2-Verbrauch abhängig ist die Normverbrauchsabgabe, welche in den Anschaffungskosten steckt. Je höher der Schadstoffausstoß, umso höher die Normverbrauchsabgabe, somit die Anschaffungskosten, was wiederum negative Auswirkungen auf Luxustangente, Vorsteuerabzug, Sachbezug und Eigenverbrauchsbesteuerung hat.

Im Ergebnis zeigt sich, dass Elektrofahrzeuge abgabenrechtlich stark bevorzugt um nicht zu sagen gefördert werden, zumindest sofern deren Anschaffungskosten die € 40.000 Grenze nicht oder nicht maßgeblich überschreiten.

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Dr. Karl J. Rosam Steuerberatung & Firmengründung

Philipp Maderthaner bringt mit Campaigning Bureau US-Spirit nach Österreich

Philipp Maderthaner ist Gründer und Geschäftsführer des Campaigning Bureau, Initiator des Campaigning Summit und gefragter Vortragsredner. Nach seinem Studium der Internationalen Betriebswirtschaft jobbte er viele Jahre in der Politik, wo er zum Schluss nationale und regionale Wahlkämpfe managte. 2014 wurde ihm für seine Pionier-Rolle im Campaigning der “Rising Star Award” des US-Magazins Campaigns & Elections verliehen.

Das Campaigning Bureau ist ein innovatives Technologie- und Kampagnenunternehmen mit Sitz in Wien. Gegründet 2012 unterstützt es mit seinen knapp 25 Mitarbeitern Unternehmen und Organisationen bei ihrer Mobilisierungsarbeit. Im Kern steht mit „Movement Campaigning“ dabei ein einzigartiger Ansatz, der, inspiriert von US-Grassroots-Bewegungen, aus Betroffenen Beteiligte macht – egal ob am Markt, in der Gesellschaft oder innerhalb der eigenen Organisation. Das Campaigning Bureau veranstaltet überdies den Campaigning Summit Europe, eine internationale Fachkonferenz für „Kampagnen, die bewegen“. Die Konferenz mit Teilnehmern aus mehr als 20 Ländern wurde neben dem jährlichen „Flagship“-Event in Wien auch in zahlreichen weiteren Europäischen Städten veranstaltet, darunter etwa Amsterdam, Helsinki und Berlin.

Was treibt Dich an?

Mit der ersten Frage gleich ins Schwarze getroffen. Du hast mir ja angekündigt, dass deine Interviews für viele deiner Gesprächspartner fast etwas Selbstherapeuthisches haben, weil die Fragen ein hohes Maß an Reflexion erfordern. Das kann ich mit der ersten Frage gleich bestätigen! Ich bin tatsächlich gerade in einer Phase, wo ich mich sehr intensiv mit meinem “Warum” auseinandersetze. Was ich weiß, ist, dass die Menschen, die mich umgeben für mich ein unglaublicher Antrieb sind. Privat und beruflich. Was ich auch weiß, ist, dass ich es liebe Unternehmer zu sein, zu erschaffen, zu lenken, zu formen. Egal, ob das im eigenen Unternehmen oder in unseren Kampagnen ist. Was ich nicht weiß, ist, wo das alles noch hinführt.

Wann hast Du begonnen Dich für Kampagnen zu interessieren?

Meine erste Kampagne hab ich als Schulsprecher geführt, nämlich für einen Kaffeeautomaten in unserer Schule. Das war recht lustig und am Ende sogar erfolgreich. Überhaupt hat’s mir damals die ganze Schülervertretungs-Sache angetan. Da konnte ich mich austoben, frühzeitig in die Verantwortung gehen, als Landesschulsprecher und Obmann der Schülerunion, das hat mir getaugt. So eine ehrenamtliche Aufgabe ist eine gute Schule fürs Leben. Man macht irgendwie Erfahrungen in so vielen Bereichen, die einem später helfen: Führung, Organisation, Marketing, Finanzen, alles mögliche. Dass ich danach so in die Kampagnen-Schiene kippe hat sich damals aber eigentlich überhaupt noch nicht abgezeichnet.

Hat es dafür einen bestimmten Auslöser gegeben?

Irgendwie bin ich über verschiedene Zufälle in der Politik gelandet und hab dort Blut geleckt. Gar nicht so an der Politik selbst, mehr an der Mechanik, wie das Zusammenspiel von Politik und Öffentlichkeit funktioniert. Das hat mich fasziniert. Wer einmal schon bei einem Wahlkampfauftakt gestanden hat, zwischen Tausenden Menschen, und dort dieses Energie gespürt hat, die sich auflädt und dann, wie wenn man einen gespannten Bogen loslässt, entlädt und in eine wochen- oder oft sogar monatelange Bewegung mündet – das hat mich begeistert. Das war vor mittlerweile 15 Jahren. Die zündende Erkenntnis für mein Tätigkeitsfeld heute kam rund um 2008, mit dieser legendären Kampagne von Barack Obama. Da hab ich begonnen zwei Dinge zu verstehen, auf die letztlich unser heutiger Campaigning-Ansatz aufbaut: Erstens, die Digitalisierung und Vernetzung stellt alles auf den Kopf. Du kannst heute mit Leidenschaft und Mobilisierungskraft etwas in die Gänge bringen und schaffen, von dem du früher nur träumen konntest. Zweitens, diese Entwicklung betrifft nicht nur Politik, sondern jede Form von Organisation und Unternehmen, die für ihren Erfolg, auf eine entsprechende Anhängerschaft angewiesen ist. Mobilisierungskraft ist sowas wie eine neue Währung in einer vernetzten Welt, wenn’s darum geht am Markt oder in der Gesellschaft erfolgreich zu sein. Diese Gedanken sind eigentlich der Keim aus dem das Campaigning Bureau entstanden ist und warum ich beim Thema Campaigning hängen geblieben bin.

Was sind so die spannendsten Dinge dabei?

Ich persönlich finde zwei Dinge am Spannendsten: Erstens, wenn eine Kampagne aus dem Nichts entsteht. Etwas, das vorher noch nicht da war und danach plötzlich fester Bestandteil im Leben von Menschen ist, die davon betroffen sind, sich anschließen, beteiligen und damit im Besten Fall auch verwirklichen. Und zweitens: Der Punkt, an dem eine Kampagne Momentum gewinnt, wenn du spürst, dass da was ins Rollen kommt, das nicht mehr aufzuhalten ist. Das ist jedes Mal wieder ein Kick.

Was macht erfolgreiche Kampagnen aus?

Dazu muss ich kurz ausholen. Der Kampagnenbegriff ist ja leider etwas verwässert über die Zeit. Heute ist ja alles was glänzt und blinkt gleich eine Kampagne. Seinen Ursprung hat das Wort im Französischen, la campagne. So beschrieb man früher Feldzüge. Es ging also um Eroberung. Und so sehe ich es im übertragenen Sinne auch heute noch: Es ist die Kunst, Herzen, Märkte und Gesellschaften mit Ansichten, Überzeugungen und Ideen zu erobern. Aus Betroffenen Beteiligte zu machen. Aus Gleichgesinnten Mitstreiter. Und aus Leidenschaft eine Bewegung. Das ist für mich Kampagne! Mehr als nur Kommunikation.

Du hast dich auch intensiv mit Kampagnen in den USA beschäftigt. Was sind denn da so deine learnings für den europäischen Markt?

Dass alles was methodisch abstrahierbar ist, auch übertragbar ist. Die Methodik ist die gemeinsame Sprache, die grenz- und branchenübergreifend Gültigkeit hat. So unterschiedlich, wie wir oft glauben, oder hoffen zu sein, sind wir nämlich gar nicht.

Was sind denn beim camapaigning so die größten Unterschiede bei der Vermarktung (Begleitung) von Personen bzw. Produkten?

Menschen kaufen Überzeugungen. Egal ob am Ladentisch, in der Wahlzelle oder im Internet. Ab dem Zeitpunkt wo ein Unternehmen, eine Organisation oder eine Person sich vorrangig über ihre Überzeugungen definiert, greifen die methodischen Prinzipien nach denen wir jeden Tag arbeiten. Das ist es, was mich eigentlich heute noch fasziniert, dass so vieles übertragbar ist. Bei Politik ist natürlich eines spannend: Das Produkt kann sprechen. Wobei das kann Siri ja mittlerweile auch.

Du hast ja schon in jungen Jahren das Veranstaltungsformat „campaigning summit“ ins Leben gerufen. Was macht das Summit so besonders?

Der Campaigning Summit ist absolut ein Herzensprojekt. Den gibt es, weil er mir selbst gefehlt hat. Eine Konferenz, wo sich Politik, Wirtschaft und NGOs treffen, um sich über Fragen auszutauschen, die alle gleichermaßen beschäftigen, um voneinander zu lernen. Ein Setting, in dem Speaker Rede und Antwort stehen und sich nicht nur hinter ihren Keynotes verstecken können. Und ein Format, das über den Tellerrand blickt, vor allem in Sachen Internationalität.

Wann und warum hast Du die Entscheidung getroffen, dass Format auf andere Länder auszudehnen?

Die Internationalisierung des Summit ist für uns eine durchwachsene Sache, mit vielen Höhen und Tiefen, teilweise auch mit persönlichen Enttäuschungen und Niederlagen. Der eigentliche Gedanke war einfach, das Konzept, das funktioniert, über Franchise zu verbreitern, um dem Campaigning Thema eine noch größere Plattform zu bescheren. Das hat manchmal funktioniert, etwa in Amsterdam, Helsinki und Berlin. Andernorts aber auch nicht. Wie heißt es so schön: Sometimes you win, sometimes you learn.

Wie schauen Deine längerfristigen Ziele mit dem campagning Summit aus? Oder anders gefragt, wo möchtest Du in ein bzw. zwei, drei Jahren stehen?

Das Thema Campaigning-Netzwerk, in dieser Kategorie verstehen wir auch den Campaigning Summit, wird bei uns massiv an Bedeutung gewinnen. Wir haben uns im Dezember dazu auch personell verstärkt. Dementsprechend ist hier einiges zu erwarten, das über den Event an sich hinaus geht.

Du bist ja sowohl mit dem campaigning Bureau und dem Campaigning Summit sehr erfolgreich unterwegs? Wie wichtig ist für dich Erfolg?

Zu wichtig (lacht). Ich würde mich selbst schon als Erfolgsjunkie beschreiben. Aber die Maßstäbe haben sich über die Jahre verändert. Ich habe das Campaigning Bureau ja ziemlich klischeemäßig alleine mit meinem Laptop auf der Couch daheim begonnen. Am Anfang war es sicher der Antrieb eine bestimmte Dimension eines Unternehmens zu verwirklichen, in Sachen Mitarbeiter, Umsatz, Gewinn, Projekte, was man sich halt so vornimmt. Irgendwann kommst du zu dem Punkt, wo ‘mehr’ nicht automatisch ‘besser’ oder ‘erfüllender’ bedeutet. Dann weißt du, du brauchst andere Maßstäbe. Wir hatten auch 2016 wieder fast 30 Prozent mehr Umsatz, davor Jahre mit 50 oder 70 Prozent mehr. Meinen Erfolg im letzten Jahr definiere ich aber mehr darüber, was ich gelernt hab, aus Fehlern, im Umgang mit Menschen, in der Auseinandersetzung mit mir selbst. Und darüber, ob ich in der Lage bin, etwas zu schaffen, das für mich und für andere erfüllend ist.

Welchen Stellenwert nimmt das Themenfeld Entrepreneurship bei Dir ein?

Einen extrem hohen. Ich bin Unternehmer aus Leidenschaft, tiefster Überzeugung und mit unendlicher Begeisterung! Es ist die Rolle meines Lebens. Ich verschlinge Bücher, die sich mit dem Unternehmertum in all seinen wunderbaren Facetten beschäftigen, ich konsumiere allerhand Feeds und Zeitschriften, bis hin zu den einschlägigen Experten, denen ich online folge. Das Pionierhafte, der visionäre, lenkende und schöpferische Geist des Unternehmers, damit identifiziere ich mich zu 100 Prozent. Ich bilde mich auch aktiv weiter als Unternehmer, einerseits fachlich, aber auch in Sachen Führung und Mind-Management. Das wirklich aufregende für mich ist, dass Unternehmertum heute so breit gefächert ist. Für mich ist auch jemand, der ehrenamtlich eine Initiative auf die Beine stellt ein Unternehmer. Unternehmertum muss nicht immer profitorientiert sein. Es sind Menschen, die eine Vorstellung davon haben, wie die Dinge sein sollten und auch dafür aktiv werden. Ich habe das Gefühl es wächst gerade eine völlig neue Generation an Unternehmern heran. Eine Generation von Überzeugungstätern im positivsten Sinne. Die mehr wollen, als bloß ein Produkt zu verkaufen, die vielmehr für eine Idee, eine Vision, eine Mission, eine Überzeugung, einen Standpunkt eintreten und gleichzeitig antreten, um was zu bewirken. Und damit auch ihr Geld zu verdienen. Das begeistert mich.

Bist Du ein neugieriger Mensch? Wenn ja, wie zeigt sich das konkret?

Ich sauge sehr viel von dem auf, was ich jeden Tag wahrnehme. Ich bin ein sehr impuls-getriebener Mensch. Das bedeutet, ich lese, höre oder sehe etwas und in mir springt ein Motor an, der unaufhaltsam Ideen oder Gedanken produziert. Die Neugierde ist bei mir daher etwas, das aus der Reaktion auf einen äußeren Impuls entsteht.

Was würde der Welt abgehen, wenn es euch nicht geben würde?

Ein Unternehmen, das mit dem ehrlichen Anspruch ans Werk geht, selbst Dinge anders zu machen, jeden Tag zu lernen, Sachen besser zu machen, um am Ende Großes zu bewegen. Und mit Groß meine ich nicht die Weltherrschaft wie Pinky & Brain. Mit Groß meine ich die Größe, die im Kleinen steckt. Die eine Blutspende mehr, die wir durch unsere Kampagne gewinnen. Der Stolz und die Dankbarkeit des Bauern, über die Wertschätzung, die er durch unsere Kampagne erfährt. Die Motivation, die eine Mitarbeiterin auf Kundenseite empfindet, weil sie mit unserem gemeinsamen Projekt wieder Freude an ihrer eigenen Arbeit hat. Die Anerkennung, die unser Kunde von seinen Kunden bekommt, weil er sich einer guten Sache widmet. Das würde der Welt abgehen.

Was treibt Dich an immer wieder neue Projekt zu starten?

Ich kann einfach nicht anders (lacht). Im Gegenteil, ich muss mich bremsen und lerne Beharrlichkeit und Dinge fertig zu machen. Im Beginnen von Sachen bin ich schon recht gut.

Wo findest Du den Raum um Deine Leidenschaft ausleben zu können?

Ich würde sagen meistens nimmt sich meine Leidenschaft den Raum, sobald sich dieser auftut. Die meisten Ideen habe ich entweder am Wochenende oder frühmorgens im Bad. Mein Tagesablauf ist aufgrund des Betriebes, den wir am Laufen haben, mit all den Verpflichtungen, ein sehr klassischer, mit vielen Terminen, intern und extern. Drum hab ich mir vor einiger Zeit unter Qualen eine Morgen-Routine auferlegt, die um 5.30 Uhr startet, wo ich zwei Stunden für Reflexion und Vision hab, kombiniert mit ein wenig Sport. Auch am Wochenende, wenn der Kopf ein wenig runter kommt, nutze ich die Zeit, meistens um zu lesen oder für konstruktives Nichtstun, dann springt der Ideen-Motor schon wieder an.

Worauf verzichtest Du, um Deine Leidenschaft ausleben zu können?

Eigentlich auf nichts. Die Antwort überrascht mich jetzt selbst.

Was ist eigentlich das Schönste bei Deiner Arbeit?

Das Schönste ist gleichzeitig manchmal das Belastendste: Ich kann beeinflussen wohin sich die Dinge entwickeln. Das bedeutet halt auch man ist seines eigenen Glückes Schmied in jeder Hinsicht. Darüber hinaus würde ich sagen, sind es die Menschen, mit denen ich arbeite. Handverlesen, großartige Persönlichkeiten, einfach der Hammer!

Wer sind Deine wichtigsten und stärksten Unterstützer?

Definitiv mein Team im Campaigning Bureau, allen voran mein Geschäftspartner. Ich ziehe die größte Kraft und Motivation aus den Leuten, mit denen ich arbeite. Vor allem natürlich aus der Arbeit mit meinem innersten Führungskreis in der Firma. Ich liebe diese Leute, ich schätze sie. Ihr Vertrauen und ihre Loyalität bedeuten mir alles. Ich sehe jeden Tag in meinem Unternehmen Leute, die, so wie ich, an sich arbeiten, die Fehler machen, die lernen, die wachsen, weil wir sie fordern, weil wir uns gegenseitig fordern. Manchmal überfordern uns Dinge. Mich auch. Dann ist die Frage: Arbeitest du in einem Team, das es ehrlich meint, mit anständigen, aufrichtigen Leuten, die dich nicht verurteilen oder hinter deinem Rücken schlecht machen. Ich bin froh heute sagen zu können, dass ich in und mit so einem Team arbeite.

Wer baut Dich auf, wenn es einmal nicht so klappt?

Ich habe privat einen sehr erlesenen Kreis an wirklich wunderbaren, einzigartigen und liebenswerten Menschen, auf die ich bauen kann. Sie kennen mich. Sie sind mein sicherer Hafen. Sie freuen sich mit mir, sie feiern mit mir und sie sind auch da, wenn’s mal nicht so läuft.

Wohin wird Dich deine Arbeit noch bringen? Gibt es noch geheime Projekte?

So geheim, dass selbst ich sie nicht kenne (lacht). Ganz ehrlich: Wenn ich wüsste, wohin das alles führt, dann wär mir leichter. Meine Leidenschaft für Campaigning ist ungebrochen. Und die nächste Wachstumsphase des Unternehmens wird sicher davon geprägt sein, den methodischen Ansatz einem noch breiteren Markt zuzuführen. Einerseits über unsere eigens entwickelte Software-Lösung, den Cambuildr, andererseits auch über die Bedienung neuer Kundensegmente, eine Art Empowerment-Angebot für kleinere Kampagnen, Organisationen und Start-Ups. Ein Buch steht auch am Programm, weil es zwar eine Ehre ist, kopiert zu werden, aber ich finde zitiert zu werden dann doch erstrebenswerter. Und meine zweite Leidenschaft, das Unternehmertum an sich, wer weiß, was sich da noch auftut. Ich verspüre schon das innere Bedürfnis, mich auch dem inhaltlich tiefer zu widmen. Wir werden sehen, was dabei rauskommt.

Wie gelingt es Dir Menschen für Deine Leidenschaft zu begeistern?

Das kann ich nur mit einer Binsenweisheit beantworten. Ich bin selbst begeistert. Damit fängt’s an. Du kannst nichts geben, was du selbst nicht hast. Leidenschaft und Begeisterung in dir ist der Anfang von Allem.

Was sagen eigentlich Deine Freunde, Dein Umfeld, Deine Familien zu diesem Engagement?

Meine langjährigste Freundin hat schon vor 15 Jahren gemeint, dass ich der geborene Unternehmer wäre. Damals hab ich damit noch nichts anfangen können. Ich glaube es finden alle in Summe recht stimmig.

Hast Du Tipps für unsere LeserInnen?

Meine Erfahrung ist, man kann sich ganz schön narrisch machen, vor allem auch als Unternehmer, wenn man das Bild, das uns in Medien und Sozialen Netzwerken vermittelt wird, zum Maßstab nimmt. Wenn’s danach ginge surfen alle Unternehmer im Dauer-Flow von Erfolg zu Erfolg, erzielen Durchbrüche über Nacht, jeder Startup-Gründer lebt das Leben seiner Träume und bei allen läuft’s super! Die Wahrheit ist: Jeder erfolgreiche Mensch hat Höhen und Tiefen, manchmal läuft’s und manchmal weniger, es gibt Erfolgserlebnisse und es gibt mühsame und zähe Phasen und das ist okay. Mein Tipp ist also: Mach einfach dein Ding und mach’s so gut du’s kannst! Der Rest kommt von selbst.

Hast Du einen Wunsch?

Ich wünsch euch und diesem wirklich großartigen Blog und Interview-Format unendlich viel Erfolg. Was du da gestartet hast ist in Sachen Spirit und Mission einfach die richtige Sache zur richtigen Zeit. Ich wünsche mir, dass viele Leserinnen und Leser mit den Geschichten und Interviews hier Inspiration und vielleicht auch Motivation finden, ihrer eigenen Bestimmung zu folgen und was zu tun, aktiv zu werden. Und dass diejenigen, die schon auf dem Weg sind, es mit anderen teilen.

Hast Du für unsere LeserInnen einen Buchempfehlung, einen webtipp, einen Tipp für einen inspirierenden Platz, …?

Die letzten beiden Business-Bücher, die ich gelesen habe, waren “From Good to Great” und “The Hard Thing about Hard Things”, beide auf ihre eigene Art und Weise sehr inspirierend für Unternehmer und die, die es noch werden wollen.

Phantom Shares – Ja? Nein? Eher nicht!

Um Mitarbeiter an Unternehmen zu binden bzw. stärker zu motivieren, Zielvereinbarungen zu erreichen, findet man insbesondere bei Startups relativ häufig Phantomanteile, auf Neudeutsch Phantom Shares vor. Man nennt ein derartiges Mitarbeiterbeteiligungsmodell auch PSOP „Phantom Shares Option Plan“. Aus der Sicht des Steuerberaters hat dieses Instrument aber so einige Haken. Auch wenn man hier von Shares spricht, handelt es sich in keinster Weise um eine Beteiligung, sondern lediglich um die Zusage, unter bestimmten Bedingungen eine Mitarbeiterprämie auszuzahlen, deren Höhe sich am Wert des betroffenen Unternehmen bemisst. Als solche unterliegen diese Auszahlungen der Lohnsteuer, was bis zu 50% ausmachen kann (in Extremfällen sogar 55%), sowie den jeweiligen Sozialversicherungsbeiträgen. Auf Arbeitgeberseite fallen sämtliche Lohnnebenkosten, ergo mindestens weitere 8% – solange die sozialversicherungsrechtliche Höchstbeitragsgrundlage nicht erreicht wird – sogar rund 30% an. Hinzu kommt, dass das Unternehmen selbst eine zukünftige Zahlungsverpflichtung eingeht. Je wahrscheinlicher die Prämienzahlung wird, umso höher fallen Rückstellungen aus, die für diese Ansprüche gebildet werden müssen. Rückstellungen stellen einerseits höhere Aufwendungen, andererseits auch höhere Verbindlichkeiten dar, was freilich das Bilanzbild materiell verschlechtert. Gerade im Vorfeld eines Exits, im Rahmen dessen die „Braut“ geschmückt werden soll, bekommt diese durch die Mehrbelastung hässliche Pickeln versetzt. Die Mehrkosten sind zwar abgabenrechtlich abzugsfähig, nur habe ich noch keinen Exit miterlebt, wo bereits sämtliche steuerliche Verlustvorträge verbraucht gewesen wären, wodurch ein Steuereinsparungseffekt eingetreten wäre.

Zumindest aus abgabenrechtlicher Sicht scheint mir insbesondere das sogenannte „Restricted stocks“ Modell doch bedeutend attraktiver. Hier bekommt der Mitarbeiter in einer frühen Phase Anteile, die er aber nicht weiter verkaufen darf. Bleibt er beim Unternehmen und werden die Ziele erreicht, bleiben ihm die Anteile erhalten und er kann im Rahmen des Exits mitverkaufen. Verlässt er das Unternehmen hingegen, so muss er die Anteile wieder zurück geben – Im Zuge der Anteilsgewährung liegt wiederum Lohnsteuerpflicht vor, genauso fallen hier Lohnnebenkosten an. Aufgrund der frühphasigen Gewährung ist die Unternehmensbewertung aber noch so niedrig, dass diese Beträge sich im Rahmen halten. Ein späterer Verkauf der Anteile unterliegt einem Steuersatz von lediglich 27,5%, ergo rund der Hälfte verglichen mit dem PSOP Modell, keinen Sozialversicherungsbeiträgen und genauso wenig irgendwelchen anderen Lohnnebenkosten.