Österreich=Förderland Nr. 1?

Die österreichische Startup Szene hat in den letzten Wochen durch diverse Exit- News international für Aufmerksamkeit gesorgt. Und auch in der Politik steht das Thema Startups und deren zentrale Rolle als Treiber von Innovation, Wertschöpfung sowie als Arbeitsplatzmotor auf der Tagesordnung. Eine Besonderheit des Standort Österreichs im internationalen Vergleich ist das breite Angebot an öffentlichen Förderungen für Innovation speziell in frühen Unternehmensphasen. Das im letzten Jahr beschlossene Startup Paket der Bundesregierung sollte hier weitere Anreize setzen, tatsächlich stehen jedoch gerade Startups bei der Beantragung von Förderungen diversen Hürden gegenüber.

Herausforderungen für Startups

  • Beantragung

Die Beantragung von Förderungen ist aufgrund unterschiedlicher Richtlinien der verschiedenen Institutionen und Ausschreibungen außerordentlich komplex und zeitaufwändig. Zudem ist kaum möglich einen vollständigen Überblick über aktuelle Förderungen auf Bund-, Länder- und Gemeindeebene zu erhalten. Trotz inhaltlicher Ähnlichkeit der Antragsformulare sind Gründer durch Formvorschriften jedoch gezwungen, denselben Inhalt aufwändig auf unterschiedliche Formulare anzupassen. Selbst innerhalb der Institutionen unterscheiden sich Richtlinien hinsichtlich der Anrechenbarkeit von Gesellschafterstunden, geförderten Kosten und Formularvorlagen deutlich. So erreicht der Aufwand für ein Basisprogramm für junge Gründer schnell einmal die 200 Stunden Marke.

Als Lösung wird hier eine Vereinheitlichung der Antragsformulare in der Struktur (Förderungsspezifische Kriterien, Projektbeschreibung, Businessplan in einheitlicher Vorlage) sowie die Vereinheitlichung der anrechenbaren internen Personalkosten für am Projekt mitarbeitenden Gesellschafter über Institutionen und Förderprogramme hinweg, vorgeschlagen.

  • Haftungen für Kredite

Das Volumen der Haftungen für geförderte Kredite wurde im Rahmen des Startup Pakets deutlich erhöht, wodurch sich jedoch nichts am grundlegenden Problem verändert hat und zwar, dass ERP Kredite nur für materielle oder immaterielle Investitionen beantragbar sind, nicht jedoch für Betriebsmittel oder Personalkosten. Daher in der Regel für IT affine Startups nicht abrufbar.

Die Öffnung der ERP Kleinkreditlinie zur Finanzierung von Personal und Betriebsmitteln für Startups kann hier eine Steigerung der Attraktivität einer solchen Finanzierung bewirken.

  • Dauer bis zur Zusage

Die meisten Förderungen sind in Calls, das heißt zeitlich begrenzte Einreichzeiträume, organisiert. Anträge werden erst nach Ende der Einreichfrist, aber kaum jemals vorab, formal und inhaltlich geprüft. Das kann in Extremfällen mitunter zu einem Zeitfenster von bis zu 6-9 Monaten zwischen Einreichung und Förder-Zu- bzw. Absage führen. Für Startups, die zumeist auf eine Förderung angewiesen sind, ein nicht tragbarer Zeitraum, in dem sie nur bedingt handlungsfähig sind.

Eine formale Vorabprüfung von Anträgen bereits während der laufenden Einreichfrist und die Umstellung auf eine laufende Einreichmöglichkeit mit regelmäßigen Jurysitzungen bei zentralen startuprelevanten Programmen, wie dies beim FFG Basisprogramm bereits üblich ist, würde die Wartezeit deutlich verkürzen.

  • Restfinanzierung

Gerade die Restfinanzierung von eingereichten Projekten stellt für Early Stage Startups eine zentrale Hürde dar: Förderungen werden zum überwiegenden Teil für innovative Produktentwicklungen gewährt, Business Angels wollen in den meisten Fällen einen Prototypen sehen, bevor sie in ein Startup investieren. Somit entsteht eine zeitliche Lücke, in der eine fehlende Förderung für die Prototypentwicklung auch die Aktivierung von Risikokapital verhindert.

Zudem wird für die notwendige Restfinanzierung bei dem Großteil der Förderprogramme die Eigenleistung der Gründer nicht berücksichtigt. Gerade in Startups besteht jedoch der Großteil der eingereichten Projektkosten aus den Stunden der Gründer. Hier wird also eine Situation geschaffen, in der Gründer die Barmittel zur Bezahlung der eigenen Stunden nachweisen müssen, um diese dann gefördert zu bekommen.

Um hier den Startups entgegenzukommen, sollte die Eigenleistung in Form von Gesellschafterstunden als Restfinanzierung anerkennbar sein. Die Wirtschaftsagentur Wien handhabt dies bereits für Gesellschafter ab 1% Unternehmensanteil entsprechend.

  • Nachschüssige Förderungen

Hand in Hand mit dem Thema Restfinanzierung gehen nachschüssige Förderungen. Das sind Förderungen, die erst nach erfolgreichem Projektabschluss ausgezahlt werden, wozu auch die neu eingeführte Lohnnebenkostenförderungen zählt. Das bedeutet, dass Startups die kompletten Projektkosten vorfinanzieren müssen. Hierbei handelt es sich um eine ausgesprochene Hürde gerade für Jungunternehmen, die in der Regel keine Zwischenfinanzierung von Banken bekommen. Im Falle der Lohnnebenkostenförderungen bedeutet das, dass Startups trotz einer Förderzusage die vollen Lohnnebenkosten für bis zu drei MitarbeiterInnen des ganzen Jahres begleichen müssen.

Eine Lösung hierfür wäre der automatische Abzug der Lohnnebenkostenförderungen über die monatliche Personalverrechnung bzw. eine generelle Umstellung auf Akontozahlung bei Projektbeginn von bis zu mindestens 50% des gewährten Zuschusses für Startups, wie es beim FFG Basisprogramm bereits üblich ist.

  • Dauer bis zur Auszahlung

Selbst wenn eine Förderung gewährt wurde, verzögern sich die Auszahlungen der Gelder oft bis zu 6-8 Monaten. Für bestehende mittelständische Unternehmen ist das bereits eine ziemliche Belastung, für Startups ist eine solche Verzögerung mitunter existenzbedrohend.

Daher sollte gerade bei Zwischenabrechnungen, eine Umstellung auf automatische Auszahlung der bereits zugesagten Teiltranchen, mit parallelem Prüfungsverfahren, für Startups erfolgen.

Die hier skizzierten Lösungsvorschläge sollen einen signifikanten Beitrag zur Unterstützung der heimischen Startup Szene leisten und Österreich damit noch stärker als Innovationsstandort am internationalen Markt etablieren. Michael Raab ist Förderberater und Geschäftsführer der Unternehmensberatung the-minted. Die aufgezählten Herausforderungen und Lösungsvorschläge resultieren aus seiner Erfahrung bei der Betreuung von rund 80 Startups aus den Bereichen IKT, IoT, FinTech und anderen Branchen bei der Einreichung von mehr als 120 Förderanträgen bei AWS, FFG, der Wirtschaftsagentur Wien und der ÖHT.

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Michael Raab ist Förderberater und Geschäftsführer der Unternehmensberatung the-minted.

Von Food-Trends und Startups – zwei Events im WU Gründungszentrum

Gerade in letzter Zeit tut sich sehr viel im Food- Bereich: Einerseits kommen alte und fast vergessene Speisen wieder auf, wie die Alt-Wiener-Backschnecke. Andererseits kommen für uns ganz neue Trends auf, denken wir nur mal an das stetig wachsende Sortiment der Getreidemilchprodukte. Diese sind aber wiederum in der Traditionell Chinesischen Medizin und der ayurvedischen Ernährung bereits seit über tausend Jahren beliebt. Aber natürlich geht es nicht allein um geschmackliche Vorlieben. Die Gesundheit spielt eine sehr wichtige Rolle, zum Beispiel nehmen wir in Österreich durchschnittlich mehr als die 4-fache von der WHO empfohlene maximale Tagesmenge an Zucker zu uns! Auf der anderen Seite gibt es sogar einen Trend hin zu Zero Zucker. Und ja, dann sollten wir uns klarerweise auch um eine sparsamere und effektivere Nutzung unserer begrenzten natürlichen Ressourcen kümmern.

Aber wohin wird die Food-Reise in der Zukunft gehen? Diesem Thema widmet sich das WU Gründungszentrum gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.

StartupDAY Food

Am Mittwoch, dem 3. Mai findet der StartupDAY Food statt. Zu dieser Gelegenheit kommen mehrere Startups aus dem Food-Bereich und präsentieren sich auf dem WU Campus ähnlich wie bei einer Messe. Die BesucherInnen können schauen, plaudern, Fragen stellen und – bei dem Thema unbedingt – verkosten! Allerdings muss es bei den Gesprächsthemen gar nicht nur um die Ernährungsthemen gehen. Denn selbstverständlich sind auch alle Fragen rund ums Gründen stark im Mittelpunkt. Wer kam wie zu seiner jeweiligen Idee? Und würden sie es noch einmal machen, nach all den gesammelten Erfahrungen? Was empfehlen sie anderen?

Die Bandbreite der Startups, die sich vorstellen, reicht von einer Küchengerät-Erfinderin zur Herstellung von Getreidemilch über spezielles Granola bis hin zu österreichischem Dörrfleisch. Konkret kommen zum Food Event diese Jungunternehmen:

Andsoy, Maktub Granola, Foodhub, Gugumuck’s Wiener Schnecken, Kaahée, Wild Spartan2B[tobe]ACTIVE⎪RELAXED natürlich gut, Eastcider, Neun Weine, Iss mich, Ohnly

Nach den verschiedensten interessant-exotischen Verkostungen tauchen vielleicht noch mehr Fragen auf. Was wird aus den heutigen Food-Trends? Sind es nur austauschbare Modeerscheinungen, die bald durch andere ersetzt werden? Vor welchen Herausforderungen stehen speziell Startups? Wer hat die Chance auf das Radar des Handels zu gelangen?

Diskussion Disrupt Food Industries

Mit einer spannenden Experten-Runde findet am Donnerstag, dem 4. Mai von 10-12 Uhr eine Diskussion zum Thema Disrupt Food Industries im WU Gründungszentrum statt.

Das Podium teilen sich Heinrich Prokop (Clever Clover), Christina Holweg (Institut für Handel & Marketing), Elke Voloder (SPAR Österreich), Felix Münster (Foodhub) und Michael Goblirsch (Ohnly). Moderiert wird das spannende Thema von der Schauspielerin Suse Lichtenberger. Und weil man bei diesem Thema sicher hungrig wird, gibt es zum anschließenden inoffiziellen Teil noch innovative Snacks.

Beide Veranstaltungen sind kostenlos, damit aber genügend Köstlichkeiten da sind, wären Anmeldungen auf Facebook für beide Events von Vorteil!

UNIQA beteiligt sich mit 400k an estnischem Insurtech INZMO

UNIQA Insurance Group AG (UNIQA) beteiligt sich an estnischem Insurtech INZMO. Gemeinsam wird man ab Mai Versicherungen online über das Internet und eine Smartphone-App anbieten. „Der Versicherungsmarkt steht vor massiven Veränderungen. Wir müssen zusätzlich zu unseren klassischen Vertriebskanälen mit unseren digitalen Services und Dienstleistungen dort sein, wo uns der moderne Kunde erwartet“, begründet Thomas Polak, UNIQA Chief Innovation Officer, die neu eingegangene Beteiligung am Insurtech INZMO. „Startups bieten uns die Chance mit ihnen neue Wege zu gehen und dabei wichtige Erfahrungen zu sammeln.“

Start im Mai

INZMO ist ein Startup, das im Herbst 2016 in Estland mit dem Verkauf von Versicherungen über mobile Geräte und Online-Portale startete. Heute nach nur wenigen Monaten zählt das Portal bereits über 10.000 Kunden. Gemeinsam mit UNIQA wird nun der Markteintritt in Österreich vorbereitet. Operativ starten soll der Verkauf erster Versicherungen noch im Mai. Als erstes Produkt wird es eine Fahrrad- und E-Bike-Versicherung geben. Und der Abschluss ist denkbar einfach: Video vom Fahrrad in einer App hochladen, einige Fragen beantworten und nach weniger als zwei Minuten ist der Drahtesel schon gegen Diebstahl versichert. Sollte dann tatsächlich das Rad gestohlen werden, dann ist die Abwicklung genauso schnell und unkompliziert. Mit einer Fahrradversicherung ist es aber nicht getan: Im Laufe des Jahres werden auch noch Versicherungen für Reisen und elektronische Geräte wie Tablets oder Laptops folgen.

INZMO stellt in dieser Kooperation die Technik zur Verfügung und UNIQA die Produkte. Wer über INZMO eine Versicherung abschließt, bekommt die gewohnte Top-Qualität von UNIQA.

„Eine Versicherung zu kaufen kann manchmal echt zeitaufwändig sein. Und bis Kunden endlich die Polizze in den Händen halten, vergeht unnötig viel Zeit. Heute wollen gerade junge Kunden nicht mehr warten, sondern zeitgleich mit dem Drücken des Kauf-Buttons auch schon die Versicherung abgeschlossen haben“, beschreibt Meeri Klausen Mitbegründerin von INZMO die Anforderungen, die in einer mobilen Umwelt an Versicherungen gestellt werden. „Unser größter Nutzen liegt in der Einfachheit, Schnelligkeit und simplen Kommunikation. Kunden, die es gewohnt sind, Produkte und Dienstleistungen online zu erwerben, erwarten das zu Recht auch von ihrer Versicherung. Die Generationen Y und Z denken nicht daran drei Wochen auf eine Polizze zu warten. Always-on muss auch für Versicherungsprodukte gelten.“