Erste Startup Labs für Wiener Life Science-Branche

72 flexible Laborplätze und 32 Büroarbeitsplätze vervollständigen die Infrastruktur für Unternehmen in der Forschung.

Wien ist ein international anerkannter Life Science-Standort, die in der Branche tätigen Unternehmen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Rund 480 Organisationen sind in Wien in diesem Bereich tätig, nach neuesten Schätzungen wächst die Anzahl alle zwei Jahre um 6 % an. Erwirtschaftet werden jährlich rund 10 Milliarden Euro Umsätze. Die Bedeutung des Wiener Life Science-Standorts spiegelt sich auch in den verliehenen 78 ERC Grants* und weiteren hochrangigen Life Science-Auszeichnungen – darunter elf Wittgenstein-Preise – wider.

„Mit dieser hohen Anzahl an Grants liegen wir unter den Top Ten in Europa, eine Position, die wir weiter ausbauen wollen“, so Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner. „Dazu fügen wir mit den neuen Startup Labs das fehlende Puzzlestück für den Life Science-Standort Wien ein und komplettieren damit das Angebot für die Branche“, so Brauner weiter.

Eine bemerkenswerte Stellung innerhalb der Wiener Life Science-Szene nimmt das Vienna Biocenter in Neu Marx – auch zukünftige Heimat der neuen Startup Labs – ein. Denn alleine 40 der insgesamt 78 zuerkannten Grants wurden an das Vienna Biocenter verliehen. Eine Tatsache, die unterstreicht, wie innovativ die hier ansässigen Unternehmen ihre Forschungsaufgaben vorantreiben und international wissenschaftliche Beachtung finden.

Josef Penninger ist sowohl wissenschaftlicher Direktor am IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie als auch Gründer des Biotechnologie-Unternehmens Apeiron. „Diese unmittelbare Nähe zwischen akademischer Forschung und Anwendung, die das Vienna Biocenter bietet, ist für alle Akteure äußerst gewinnbringend. Insofern freue ich mich über die Chance, die junge, engagierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun haben werden, ihr Wissen rasch in Anwendung weiterzuführen.“ Schlussendlich, so Penninger, sei doch das Ziel der gesamten Life Science-Branche, Wissen und Anwendungen so einzusetzen, dass größtmöglicher Nutzen für Mensch und Medizin entsteht. Konkretes Beispiel ist hier die erst unlängst ausgesprochene Zulassungsempfehlung durch die EMA für einen Wirkstoff zur Behandlung des Neuroblastoms (Gehirntumor).

Lückenschluss in Neu Marx

Im Vienna Biocenter schließt sich mit den neuen Startup Labs, für die 1.100 m² bereitgestellt werden, eine letzte Lücke für den Life Science-Standort Wien. „Insgesamt stellen wir 72 flexible Laborplätze und 32 Büroarbeitsplätze für junge Wissenschaftlerinnen und Forscher zur Verfügung“, erklärt Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien. Eine wichtige Maßnahme, denn in Wien werden jährlich rund zehn Startups im Life Science-Bereich gegründet. „Die ausgestatteten Labs sollen den Unternehmen den Start ins Wirtschaftsleben erleichtern, da sie sich aufwändige und kostenintensive Investitionen in eigene Infrastruktur ersparen. Ich freue mich sehr, dass Boehringer Ingelheim, ein führendes forschendes Pharmaunternehmen, als Partner für die Startup Labs gewonnen wurde“, so Hirczi weiter.

Boehringer Ingelheim wird als Hauptsponsor fungieren und sogenannte „Innovation Tickets“ vergeben. Damit finanziert das Unternehmen ausgewählten Startups Labor- und Büroarbeitsplätze für jeweils ein Jahr. „Wir sind zuversichtlich, dass sich das Modell der neuen ‚Startup Labs‘ im ehemaligen IMP-Gebäude als integrales Element im Life Science-Hotspot etablieren wird“, so Philipp von Lattorff, Generaldirektor von Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna. „Wir erhoffen uns, dass sich dadurch viele interessante Anknüpfungspunkte zu den entsprechenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Boehringer Ingelheim auf verschiedensten Ebenen ergeben werden“, erklärt von Lattorff die Unternehmensentscheidung weiter.

Die Startup Labs im Vienna Biocenter sind ab 2019 bezugsfertig und ganz im Sinne der dynamischen Startup-Szene als flexible „Co-working Labs“ zu mieten. Mehrere Unternehmen können sich die Laborräume mit bis zu sechs oder zwölf Arbeitsplätzen teilen. Die Labs dienen als weiterer – aber wichtiger – Schritt in der Weiterentwicklung der Medizintechnik und Arzneimittelanalyse in Wien.

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Wien Energie testet Blockchain-Technologie

BTL, Wien Energie und EY testen ab Februar in Wien die neue Peer-to-peer-Technologie für Transaktionen in der Energiewirtschaft

Wien Energie beteiligt sich gemeinsam mit anderen internationalen Energieunternehmen an einem von BTL GROUP LTD, einem kanadischen Blockchain-Startup, durchgeführten Blockchain Pilotprojekt. BTL wird auf Basis ihrer bestehenden Interbit Handelsplattform ein Pilotprojekt für den Gashandel durchführen. Das Beratungsunternehmen EY unterstützt BTL hinsichtlich Evaluierung und Prüfung der erstellten Lösung. Ziel des dreimonatigen Projektes ist, die Blockchain-Technologie für den Energiehandel zu erproben.

Der Blockchain-Technologie werden für die Zukunft des Energiemarktes große Potenziale eingeräumt. Sie gilt als einer der nächsten großen Trends der Energiewirtschaft. Mit dieser Technik und den damit verbundenen Netzwerkmöglichkeiten kann die Entwicklung dezentraler Energieliefersysteme gefördert werden. Noch steckt die Technologie in einem sehr frühen Versuchsstadium, da insbesondere in der Energiewirtschaft auch hohe regulatorische Vorgaben eingehalten werden müssen.

„Mit dem jetzt gestarteten Pilotprojekt können wir mit unseren Partnern Know-how im Blockchain-Bereich aufbauen und die neue Technologie auf ihre Chancen und Vorteile abtesten. Ebenso wollen wir analysieren, wie daraus neue Geschäftsmodelle entstehen können“, sagt Peter Gönitzer, Geschäftsführer bei Wien Energie. „Durch unterschiedliche Versuchsanordnungen mit der Technologie sollen neue Erkenntnisse zum Einsatz von Blockchain im Energiegeschäft gewonnen bzw. mögliche Prozessoptimierungen und Kosteneinsparungen ausgelotet werden.“ „Die Blockchain-Technologie ist ein weiterer Digitalisierungstrend, der auf die Energiewirtschaft zukommt. Als Österreichs größter Energiedienstleister wollen wir die Chancen dieser Technologie aktiv für unsere Kunden und uns nutzen“, ergänzt Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung.

„Das ist eine großartige Chance für die Energiewirtschaft und BTL ist begeistert, den Wandel in diesem Bereich durch unsere Interbit-Plattform voranzutreiben”, sagte Guy Halford-Thompson, Geschäftsführer und Mitbegründer von BTL. „Durch die Nutzung der Blockchain-Technologie werden die Energie-unternehmen in der Lage sein, die Kosten mehrerer Geschäftsbereiche erheblich zu senken. Die Beteiligung von Wien Energie an diesem Pilotprojekt wird für alle Beteiligten sehr wertvoll sein.”

Andreas Freitag, Manager bei EY Österreich: „Die Energieindustrie sollte sich aktiv mit der Blockchain-Technologie beschäftigen. Die Auswirkungen auf bestehende Prozesse und Märkte könnte enorm sein. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Technologie zu erproben und das eigene Unternehmen auf die kommenden Veränderungen einzustellen. Das Projekt hilft der Energiewirtschaft das künftige Potential der Technologie noch besser einzuschätzen und hebt das Verständnis, wie das Blockchain-Protokoll die Energiewelt beeinflussen wird.“

Im Rahmen des von Februar bis Mai 2017 laufenden Pilotprojekts testet Wien Energie die Tauglichkeit der neuen Blockchain-Technologie für eine Tradingplattform im internationalen Gashandel.

Potenzialanalyse für die Blockchain-Technologie

Bei Blockchain-Lösungen für die Energiewirtschaft wird beispielsweise die dezentrale Erzeugung in Kleinanlagen (etwa Photovoltaik-Anlagen) mit einem Transaktionssystem kombiniert, das autonom, ohne zentrale Instanz agiert. Durch die Speicherung und Verschlüsselung von Transaktionsdaten auf den Computern der Teilnehmer ermöglicht Blockchain eine sichere Person-zu-Person-Abwicklung von vertrauensbasierten Geschäften. Damit stellt sie einen radikalen Gegenentwurf zur bestehenden Systemarchitektur dar, mit deren Hilfe die Energiewirtschaft auf die Herausforderungen der Dezentralisierung und Digitalisierung der Energieversorgung reagieren kann. Bei einem breiten Roll-Out ergeben sich damit für Energieunternehmen vollkommen neue Marktchancen für Dienstleistungen und Anwendungen. Diese gehen vom Energiehandel, der E-Mobilität bis zum Strom-Sharing oder dem Internet-of-things. So könnte eine Blockchain-Anwendung im Bereich E-Mobilität die Zurverfügungstellung privater Ladestationen an andere User ermöglichen. User könnten über die Blockchain und Smart Contracts (automatisierte Verträge) vollkommen automatisiert an privaten und öffentlichen Ladestationen laden und bezahlen. Die Verrechnung und Dokumentation würde in real-time erfolgen.

Waytation holt Investment von Hansi Hansmann und startup300

Das Wiener Startup Waytation, das „Google Analytics für Messen und Kongresse“, hat sich mit der ersten Finanzierungsrunde einen siebenstelligen Betrag geholt. Mit Johann „Hansi“ Hansmann und startup300 sind zwei der bekanntesten Investoren des Landes eingestiegen. Mit dem Investment werden Florian Bräuer und Cemsit Yelgin, die Gründer von Waytation, den Messe- und Kongressmarkt in das digitale Zeitalter führen.

„Wir messen Messen“ fasst Florian Bräuer die Geschäftsidee des 2015 gegründeten Unternehmens in drei Worten zusammen. Mit „smarten“ Namenschildern und eigens entwickelter Sensoren erfasst Waytation Besucherströme und Verhaltensmuster nahtlos und kann die komplette „Customer Journey“ eines Besuchers auf Messen und Events visualisieren. Die Erfolgsanalysen sind anonymisiert, jedoch kategorisiert, wodurch punktgenau gezeigt wird, welche Zielgruppen sich für welche Vortragsthemen und Messestände interessieren. „Bisher gab es solche Kennzahlen und Fakten nicht. Veranstalter können erstmals das Erlebnis der Besucher verstehen, Trends aufgreifen und den Erfolg ihrer Investitionen messen“, erklärt Cemsit Yelgin.

Entwickeln, was der Kunde braucht

Obwohl die Veranstaltungsbranche neu für die beiden Gründer war, erzielten sie bereits im ersten Geschäftsjahr einen sechsstelligen Umsatz. Parallel dazu bauten sie ein beachtliches Technologie-Portfolio auf.

„Wir haben zuerst verkauft und erst danach zu entwickeln begonnen – ganz nach dem Lean Startup Principle“, erinnert sich das Gründerduo. Waytation traf den Bedarf des Marktes perfekt: ein Skype-Call genügte, um Grégoire Pavillon von dem Konzept zu überzeugen und damit EASL, einen der größten medizinischen Dachverbände Europas und Veranstalter des Internationalen Leberkongresses, als Kunden zu gewinnen. Als Unterstützer der ersten Stunde kam EASL bei der aktuellen Finanzierungsrunde nun auch als strategischer Investor an Bord.

Waytation hat von Beginn an auf Geschwindigkeit gesetzt und beschäftigt mittlerweile ein Team von 20 Personen, wickelt Aufträge mit über 20.000 Besuchern ab und verarbeitet pro Event etwa 900 Millionen Datensätze. Im März steht der bisher größte Einsatz beim Radiologiekongress ECR an. Ab April beginnt mit Amsterdam und Helsinki die Expansion in die Eventmetropolen Europas.

Die Crème de la Crème der Szene

Die Waytation-Vision ist groß – und so auch die erste Finanzierungsrunde. Der „Best European Early Stage Investor“ Hansi Hansmann investierte ebenso wie die startup300 AG, das größtes Business Angel Netzwerk des Landes. Mit an Bord sind auch bekannte Business Angels wie Johannes Siller sowie der erste Waytation-Kunde EASL. Branchengrößen wie Christian Mutschlechner vom Vienna Convention Bureau oder Konrad Friedrich von ESR unterstützen Waytation tatkräftig. In Wien wird mit den starken Partnern Austria Center Vienna und Reed Exhibitions Messe Wien sogar bereits an einer Fixinstallation der Sensoren gearbeitet.

„In unserem ersten Jahr konnten wir das Interesse der größten Player der Branche wecken. Dass wir nun im zweiten Jahr auch noch die bedeutsamsten Investoren überzeugt haben, macht uns mehr als stolz“, erklären die Jungunternehmer. „Waytation löst eindeutig ein Problem und das auf sehr effiziente und elegante Weise. Die beiden Founder Florian und Cemsit haben einen klaren Zug zum Tor und haben mich schnell überzeugt. Wir werden von Waytation noch viel Gutes hören“, sagt Business Angel Hansi Hansmann.