Mit Ponix Systems und Herbert selber Gemüse anbauen

Ponix Systems macht indoor farming einfach, sauber und modern. Neben ihren B2B- Lösungen, bieten sie mit ihrem neuen Produkt Herbert erstmalig auch eine Lösung für zuhause an. So kann jeder zum Hobbygärtner werden – egal ob grüner Daumen nicht. Ponix- Systems Gründer Alexander Penzias im Interview mit startablish über Hürden bei der Produktentwicklung, die Entscheidung für Crowdfunding und den hohen Stellenwert eines passenden Teams.

Worum handelt es sich bei Ponix Systems?

Ponix Systems ist ein Indoor Urban Farming Startup. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, ein altes Bewusstsein für den Umgang mit Lebensmitteln in unserer Gesellschaft wiederzubeleben. Wir wollen mit unseren Technologien aufzeigen, wie einfach, unkompliziert und sauber die Gemüseproduktion zu Hause sein kann. Unsere eigens entwickelten LEDs können in Gewächshäusern eingesetzt werden und wir bauen maßgeschneiderte Anlagen zur Gemüse- und Kräuterzucht für Restaurants und Hotels. Jetzt stehen wir kurz vor dem Start unserer Kickstarter Kampagne zu unserem ersten Produkt für Haushalte, Herbert.

Wie kam es zu dieser, doch sehr ungewöhnlichen, Idee?

Die Idee entstand durch meine Leidenschaft zur Aquaristik. Seit 17 Jahren besitze ich Aquarien und war schon immer von kleinen Ökosystemen fasziniert. So bin ich vor zehn Jahren durch Recherche auf Aquaponik gestoßen, eine wundervolle Art und Weise, mit der man Nutzpflanzen und Speise- oder Zierfische gemeinsam in einem geschlossenen Wasserkreislauf züchten kann. Ende 2014 sprach ich das erste Mal mit meinem Co-Founder Alvaro Lobato-Jimenez darüber, den ich seit mittlerweile 14 Jahren kenne. Uns verbindet immer schon der Wunsch zur Selbstständigkeit, somit hat unsere gemeinsame Leidenschaft zur Pflanzenzucht in Kombination mit modernen Technologien, uns dazu gebracht 2014 Ponix Systems zu gründen. An Herbert arbeiten wir seit 2015, die GmbH wurde Mitte 2016 gegründet.

Was genau ist Herbert?

Herbert ist ein beleuchteter Bilderrahmen, in dem man sein eigenes grünes oder buntes Bild mit Gemüse und Kräutern kreieren kann. Ein Bild, das man jederzeit essen und umgestalten kann. Pflanzen wurzeln direkt in eine Nährlösung, auf den Einsatz von Erde haben wir verzichtet. Damit wird das Arbeiten mit Pflanzen zu einer sauberen Angelegenheit. Dieses System ist weitaus produktiver, als es mit herkömmlichen Anbaumethoden möglich ist: anstelle von den durchschnittlichen zwei bis drei Monaten, die man z.B. für einen Salat vom Samen bis zur Ernte benötigt, kann man diese Zeit in hydroponischen Systemen auf nur fünf Wochen verkürzen! Im Vergleich zum klassischen Anbau spart man auch bis zu 90% Wasser. Als Anzuchtmedium verwenden wir biologisch abbaubare Schwämme, die ursprünglich durch die NASA in Kooperation mit einem anderen Unternehmen entwickelt wurden.

Wer sieht denn nun eure Zielgruppe für Herbert konkret aus?

Primär wollen wir Menschen, die bereits Gemüse oder Kräuter in geringem Ausmaß zu Hause anbauen – wer kennt nicht das Problem, dass der gerade erworbene Kräutertopf bereits nach kurzer Zeit eingeht – die Möglichkeit bieten, dies in einem ordentlichen Ausmaß machen zu können, unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Auch Menschen, die gerne zu Hause anbauen würden, aber weder Zeit, Platz, oder Know-How haben, wollen wir mit Herbert eben diese Möglichkeit bieten.

Welches Geschäftsmodell steht hinter Ponix Systems?

Als Hardware Startup leben wir von dem Verkauf unserer Technologien und Produkte. Rund um Herbert bieten wir künftig Upgrades an, die das Anbauen von Gemüse noch interessanter gestalten. Ein weiteres Standbein stellen unsere Abonnements dar: um mehr Komfort bieten zu können liefern wir das gesamte Zubehör, also Samen, Anzuchtmedium und Dünger für den ganzjährigen Gemüse- und Kräuteranbau in Form von Abos direkt nach Hause.

Warum habt ihr euch für Crowdfunding entschieden?

Wir sehen Crowdfunding als eine sehr geeignete Art und Weise an, Produkte auf den Markt zu bringen. Dieser Weg ist für uns weitaus weniger kapitalintensiv. Crowdfunding- Plattformen stellen eine gute Möglichkeit dar einem interessierten Publikum neue, innovative Ideen und Produkte vorzustellen, ohne viel Geld in die Hand nehmen zu müssen und man bekommt auch gleich gutes Feedback.

Gibt es einen speziellen Grund, warum ihr Kickstarter als Plattform ausgewählt habt?

Wir haben uns letztendlich für Kickstarter entschieden, weil ein großer Teil unserer Zielgruppen und -märkte auf dieser Plattform unterwegs ist. Wir wollen uns nicht alleine auf Österreich bzw. die DACH Region beschränken, deswegen sehen wir Kickstarter als sinnvollste Plattform für unseren Launch an.

Nehmt ihr Unterstützung von externen Personen in Anspruch?

Finanzielle Unterstützung hatten wir bis jetzt vom AWS und der FFG. Professionelle Unterstützung erhalten wir durch die Zusammenarbeit mit unserer Mentoring Gruppe, die aus erfahrenen Experten in verschiedenen Bereich besteht und uns in all unseren Angelegenheiten unterstützt.

Wie sieht die Finanzierung bisher aus?

Finanziert haben wir uns bis jetzt privat, sowie durch Förderungen des AWS und der FFG bei Produktentwicklung, Patentierung und Produktion.

Die größten Hürden, die ihr überwinden musstet?

Die größte Hürde liegt in der Natur unseres Vorhabens selbst. Es gibt sehr viele Faktoren, auf die wir gleichzeitig achten mussten. Ein schönes Design bei gleichbleibender Funktionalität sind z.B. zwei Aspekte. Wir haben mit Herbert ein Produkt entwickelt, mit dem man sich zwar spielerisch an das Anbauen von Gemüse und Kräutern herantasten kann, jedoch sollte man auch wirklich einen Teil des eigenen Bedarfs abdecken können. Mit bestimmten Salatsorten kann man in Herbert bis zu 80 oder 90 Salaten pro Jahr produzieren.

Neben diesen zwei Aspekten ist der Aufbau der Wertschöpfungskette sehr zeitintensiv. Wir achten darauf, alle Teile so regional wie möglich herstellen zu lassen und führen seit zwei Jahren gezielt Pflanzentests durch, um verschiedenste Eigenschaften von Pflanzen herauszufinden und zu prüfen. Die Ergebnisse der Tests fließen auch in die Produktentwicklung mit ein.

Wie sehen eure Zukunftspläne für Ponix Systems aus?

Wir haben parallel eine weitere LED Beleuchtung entwickelt, mit der man ganz gezielt Eigenschaften wie Geschmack, Farbe oder Geruch beeinflussen kann. Genauer gesagt kann man den Gehalt bestimmter Antioxidantien beeinflussen, diese wiederum sind für gewisse Eigenschaften von Pflanzen verantwortlich. Dafür arbeiten wir an der Entwicklung von Lichtrezepten, denn unterschiedliche Pflanzen in unterschiedlichen Wachstumsstadien benötigen unterschiedliche Wellenlängen des Lichtspektrums. Wir sind also teilweise auch in der Forschung tätig. In Zukunft werden wir weitere Produkte für B2C und B2B Märkte entwickeln, sowie in der Forschung auf diesem Gebiet tätig sein. Gebäude sollen in Zukunft nicht nur außen an den Fassaden begrünt sein, sondern auch von innen heraus – das ist unser Aufgabengebiet.

Bevor man sich in die Selbstständigkeit begibt, sollte man eine ordentliche Marktrecherchen durchführen, um sich der Konkurrenz bewusst zu werden.

Welche Tipps würdest du neuen Gründern mitgeben?

Wo es kein Problem gibt, ist auch keine Lösung notwendig. Man sollte sich im Klaren sein, dass man mit seiner Idee ein tatsächliches Problem löst. Regelmäßiger Kontakt zu potentiellen Kunden ist im Zuge der Produktentwicklung sehr wichtig. Man verfehlt seine Zielmärkte und investiert Zeit und Kapital an den falschen Stellen, wenn man Features und Lösungen, welche von potentiellen Kunden unerwünscht sind oder als nicht wichtig erachtet werden, in sein Produkt integriert. Und zuletzt ist das richtige Team aus meiner Sicht der wichtigste Faktor. Eine Idee kann noch so gut sein, wenn das Team nicht harmoniert, nicht gut kommuniziert und nicht genügend Motivation vorhanden ist, ist jede noch so gute Idee zum Scheitern verurteilt.

Hast du einen grünen Daumen?

Ursprünglich hatte ich nicht wirklich einen grünen Daumen. Das hat allerdings bei der Entwicklung von Herbert geholfen – sowohl erfahrene, als auch unerfahrene Gärtner sollen in ihm Pflanzen großziehen können. Mittlerweile aber haben wir unzählige Pflanzen großgezogen und Wachstumsversuche gemacht, sodass sich mein Daumen mittlerweile recht grün gefärbt hat.

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Wiener Startup predictR in Kooperation mit Erste Group

Auf der Bühne des Pioneers Festival kündigen predictR und die Erste Group eine Zusammenarbeit an, um neue Wege im digitalen Banking zu gehen.

PredictR, spezialisiert auf das Online-Banking, wandelt durch eine algorithmische Analyse historische Transaktionsdaten in eine Kontostandsvorhersage um. Die zugrundeliegenden Algorithmen, die höhere Mathematik mit fortgeschrittener Mustererkennung kombinieren, liefern die Einzigartigkeit dieser Softwarelösung – in Kombination mit einer einfachen auf den Zukunftsgraphen fokussierten Benutzeroberfläche.

Als Sieger eines im Vorjahr von der Erste Group organisierten Hackathons hat sich das Team in rasanter Weise in der Bankenwelt etabliert. Heute verwirklichen in der jungen Firma hervorragende Statistiker, Banker und Software-Entwickler Ideen für neue Services. Bereits in wenigen Monaten können diese in “George”, dem Online-Banking der Erste Group, bereitstehen.

predictR-Mitgründer Jakob Etzel freut sich auf die Kooperation: “Wir starten mit einer Bank mit knapp 16 Millionen Kunden in 7 Ländern, das macht schon ein bisschen Stolz. predictR ist zu 100% darauf fokussiert, Online-Banking für den Kunden angenehmer und effizienter zu gestalten. Eine moderne Bank muss auch im Internet klare Unterscheidungsmerkmale haben.”

Für die Erste Group ist eine Kooperation einem Fintech-Startup ein Novum und eine willkommene Ergänzung ihrer Innovationsstrategie. „Junge Talente die mit einem völlig neuen Blickwinkel auf digitales Bankgeschäft schauen – das ist es was wir brauchen“, so Peter Bosek, Chief Retail Officer in der Erste Group.

Wien Energie testet Blockchain-Technologie

BTL, Wien Energie und EY testen ab Februar in Wien die neue Peer-to-peer-Technologie für Transaktionen in der Energiewirtschaft

Wien Energie beteiligt sich gemeinsam mit anderen internationalen Energieunternehmen an einem von BTL GROUP LTD, einem kanadischen Blockchain-Startup, durchgeführten Blockchain Pilotprojekt. BTL wird auf Basis ihrer bestehenden Interbit Handelsplattform ein Pilotprojekt für den Gashandel durchführen. Das Beratungsunternehmen EY unterstützt BTL hinsichtlich Evaluierung und Prüfung der erstellten Lösung. Ziel des dreimonatigen Projektes ist, die Blockchain-Technologie für den Energiehandel zu erproben.

Der Blockchain-Technologie werden für die Zukunft des Energiemarktes große Potenziale eingeräumt. Sie gilt als einer der nächsten großen Trends der Energiewirtschaft. Mit dieser Technik und den damit verbundenen Netzwerkmöglichkeiten kann die Entwicklung dezentraler Energieliefersysteme gefördert werden. Noch steckt die Technologie in einem sehr frühen Versuchsstadium, da insbesondere in der Energiewirtschaft auch hohe regulatorische Vorgaben eingehalten werden müssen.

„Mit dem jetzt gestarteten Pilotprojekt können wir mit unseren Partnern Know-how im Blockchain-Bereich aufbauen und die neue Technologie auf ihre Chancen und Vorteile abtesten. Ebenso wollen wir analysieren, wie daraus neue Geschäftsmodelle entstehen können“, sagt Peter Gönitzer, Geschäftsführer bei Wien Energie. „Durch unterschiedliche Versuchsanordnungen mit der Technologie sollen neue Erkenntnisse zum Einsatz von Blockchain im Energiegeschäft gewonnen bzw. mögliche Prozessoptimierungen und Kosteneinsparungen ausgelotet werden.“ „Die Blockchain-Technologie ist ein weiterer Digitalisierungstrend, der auf die Energiewirtschaft zukommt. Als Österreichs größter Energiedienstleister wollen wir die Chancen dieser Technologie aktiv für unsere Kunden und uns nutzen“, ergänzt Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung.

„Das ist eine großartige Chance für die Energiewirtschaft und BTL ist begeistert, den Wandel in diesem Bereich durch unsere Interbit-Plattform voranzutreiben”, sagte Guy Halford-Thompson, Geschäftsführer und Mitbegründer von BTL. „Durch die Nutzung der Blockchain-Technologie werden die Energie-unternehmen in der Lage sein, die Kosten mehrerer Geschäftsbereiche erheblich zu senken. Die Beteiligung von Wien Energie an diesem Pilotprojekt wird für alle Beteiligten sehr wertvoll sein.”

Andreas Freitag, Manager bei EY Österreich: „Die Energieindustrie sollte sich aktiv mit der Blockchain-Technologie beschäftigen. Die Auswirkungen auf bestehende Prozesse und Märkte könnte enorm sein. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Technologie zu erproben und das eigene Unternehmen auf die kommenden Veränderungen einzustellen. Das Projekt hilft der Energiewirtschaft das künftige Potential der Technologie noch besser einzuschätzen und hebt das Verständnis, wie das Blockchain-Protokoll die Energiewelt beeinflussen wird.“

Im Rahmen des von Februar bis Mai 2017 laufenden Pilotprojekts testet Wien Energie die Tauglichkeit der neuen Blockchain-Technologie für eine Tradingplattform im internationalen Gashandel.

Potenzialanalyse für die Blockchain-Technologie

Bei Blockchain-Lösungen für die Energiewirtschaft wird beispielsweise die dezentrale Erzeugung in Kleinanlagen (etwa Photovoltaik-Anlagen) mit einem Transaktionssystem kombiniert, das autonom, ohne zentrale Instanz agiert. Durch die Speicherung und Verschlüsselung von Transaktionsdaten auf den Computern der Teilnehmer ermöglicht Blockchain eine sichere Person-zu-Person-Abwicklung von vertrauensbasierten Geschäften. Damit stellt sie einen radikalen Gegenentwurf zur bestehenden Systemarchitektur dar, mit deren Hilfe die Energiewirtschaft auf die Herausforderungen der Dezentralisierung und Digitalisierung der Energieversorgung reagieren kann. Bei einem breiten Roll-Out ergeben sich damit für Energieunternehmen vollkommen neue Marktchancen für Dienstleistungen und Anwendungen. Diese gehen vom Energiehandel, der E-Mobilität bis zum Strom-Sharing oder dem Internet-of-things. So könnte eine Blockchain-Anwendung im Bereich E-Mobilität die Zurverfügungstellung privater Ladestationen an andere User ermöglichen. User könnten über die Blockchain und Smart Contracts (automatisierte Verträge) vollkommen automatisiert an privaten und öffentlichen Ladestationen laden und bezahlen. Die Verrechnung und Dokumentation würde in real-time erfolgen.