Waytation holt Investment von Hansi Hansmann und startup300

Das Wiener Startup Waytation, das „Google Analytics für Messen und Kongresse“, hat sich mit der ersten Finanzierungsrunde einen siebenstelligen Betrag geholt. Mit Johann „Hansi“ Hansmann und startup300 sind zwei der bekanntesten Investoren des Landes eingestiegen. Mit dem Investment werden Florian Bräuer und Cemsit Yelgin, die Gründer von Waytation, den Messe- und Kongressmarkt in das digitale Zeitalter führen.

„Wir messen Messen“ fasst Florian Bräuer die Geschäftsidee des 2015 gegründeten Unternehmens in drei Worten zusammen. Mit „smarten“ Namenschildern und eigens entwickelter Sensoren erfasst Waytation Besucherströme und Verhaltensmuster nahtlos und kann die komplette „Customer Journey“ eines Besuchers auf Messen und Events visualisieren. Die Erfolgsanalysen sind anonymisiert, jedoch kategorisiert, wodurch punktgenau gezeigt wird, welche Zielgruppen sich für welche Vortragsthemen und Messestände interessieren. „Bisher gab es solche Kennzahlen und Fakten nicht. Veranstalter können erstmals das Erlebnis der Besucher verstehen, Trends aufgreifen und den Erfolg ihrer Investitionen messen“, erklärt Cemsit Yelgin.

Entwickeln, was der Kunde braucht

Obwohl die Veranstaltungsbranche neu für die beiden Gründer war, erzielten sie bereits im ersten Geschäftsjahr einen sechsstelligen Umsatz. Parallel dazu bauten sie ein beachtliches Technologie-Portfolio auf.

„Wir haben zuerst verkauft und erst danach zu entwickeln begonnen – ganz nach dem Lean Startup Principle“, erinnert sich das Gründerduo. Waytation traf den Bedarf des Marktes perfekt: ein Skype-Call genügte, um Grégoire Pavillon von dem Konzept zu überzeugen und damit EASL, einen der größten medizinischen Dachverbände Europas und Veranstalter des Internationalen Leberkongresses, als Kunden zu gewinnen. Als Unterstützer der ersten Stunde kam EASL bei der aktuellen Finanzierungsrunde nun auch als strategischer Investor an Bord.

Waytation hat von Beginn an auf Geschwindigkeit gesetzt und beschäftigt mittlerweile ein Team von 20 Personen, wickelt Aufträge mit über 20.000 Besuchern ab und verarbeitet pro Event etwa 900 Millionen Datensätze. Im März steht der bisher größte Einsatz beim Radiologiekongress ECR an. Ab April beginnt mit Amsterdam und Helsinki die Expansion in die Eventmetropolen Europas.

Die Crème de la Crème der Szene

Die Waytation-Vision ist groß – und so auch die erste Finanzierungsrunde. Der „Best European Early Stage Investor“ Hansi Hansmann investierte ebenso wie die startup300 AG, das größtes Business Angel Netzwerk des Landes. Mit an Bord sind auch bekannte Business Angels wie Johannes Siller sowie der erste Waytation-Kunde EASL. Branchengrößen wie Christian Mutschlechner vom Vienna Convention Bureau oder Konrad Friedrich von ESR unterstützen Waytation tatkräftig. In Wien wird mit den starken Partnern Austria Center Vienna und Reed Exhibitions Messe Wien sogar bereits an einer Fixinstallation der Sensoren gearbeitet.

„In unserem ersten Jahr konnten wir das Interesse der größten Player der Branche wecken. Dass wir nun im zweiten Jahr auch noch die bedeutsamsten Investoren überzeugt haben, macht uns mehr als stolz“, erklären die Jungunternehmer. „Waytation löst eindeutig ein Problem und das auf sehr effiziente und elegante Weise. Die beiden Founder Florian und Cemsit haben einen klaren Zug zum Tor und haben mich schnell überzeugt. Wir werden von Waytation noch viel Gutes hören“, sagt Business Angel Hansi Hansmann.

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Wien Energie testet Blockchain-Technologie

BTL, Wien Energie und EY testen ab Februar in Wien die neue Peer-to-peer-Technologie für Transaktionen in der Energiewirtschaft

Wien Energie beteiligt sich gemeinsam mit anderen internationalen Energieunternehmen an einem von BTL GROUP LTD, einem kanadischen Blockchain-Startup, durchgeführten Blockchain Pilotprojekt. BTL wird auf Basis ihrer bestehenden Interbit Handelsplattform ein Pilotprojekt für den Gashandel durchführen. Das Beratungsunternehmen EY unterstützt BTL hinsichtlich Evaluierung und Prüfung der erstellten Lösung. Ziel des dreimonatigen Projektes ist, die Blockchain-Technologie für den Energiehandel zu erproben.

Der Blockchain-Technologie werden für die Zukunft des Energiemarktes große Potenziale eingeräumt. Sie gilt als einer der nächsten großen Trends der Energiewirtschaft. Mit dieser Technik und den damit verbundenen Netzwerkmöglichkeiten kann die Entwicklung dezentraler Energieliefersysteme gefördert werden. Noch steckt die Technologie in einem sehr frühen Versuchsstadium, da insbesondere in der Energiewirtschaft auch hohe regulatorische Vorgaben eingehalten werden müssen.

„Mit dem jetzt gestarteten Pilotprojekt können wir mit unseren Partnern Know-how im Blockchain-Bereich aufbauen und die neue Technologie auf ihre Chancen und Vorteile abtesten. Ebenso wollen wir analysieren, wie daraus neue Geschäftsmodelle entstehen können“, sagt Peter Gönitzer, Geschäftsführer bei Wien Energie. „Durch unterschiedliche Versuchsanordnungen mit der Technologie sollen neue Erkenntnisse zum Einsatz von Blockchain im Energiegeschäft gewonnen bzw. mögliche Prozessoptimierungen und Kosteneinsparungen ausgelotet werden.“ „Die Blockchain-Technologie ist ein weiterer Digitalisierungstrend, der auf die Energiewirtschaft zukommt. Als Österreichs größter Energiedienstleister wollen wir die Chancen dieser Technologie aktiv für unsere Kunden und uns nutzen“, ergänzt Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung.

„Das ist eine großartige Chance für die Energiewirtschaft und BTL ist begeistert, den Wandel in diesem Bereich durch unsere Interbit-Plattform voranzutreiben”, sagte Guy Halford-Thompson, Geschäftsführer und Mitbegründer von BTL. „Durch die Nutzung der Blockchain-Technologie werden die Energie-unternehmen in der Lage sein, die Kosten mehrerer Geschäftsbereiche erheblich zu senken. Die Beteiligung von Wien Energie an diesem Pilotprojekt wird für alle Beteiligten sehr wertvoll sein.”

Andreas Freitag, Manager bei EY Österreich: „Die Energieindustrie sollte sich aktiv mit der Blockchain-Technologie beschäftigen. Die Auswirkungen auf bestehende Prozesse und Märkte könnte enorm sein. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Technologie zu erproben und das eigene Unternehmen auf die kommenden Veränderungen einzustellen. Das Projekt hilft der Energiewirtschaft das künftige Potential der Technologie noch besser einzuschätzen und hebt das Verständnis, wie das Blockchain-Protokoll die Energiewelt beeinflussen wird.“

Im Rahmen des von Februar bis Mai 2017 laufenden Pilotprojekts testet Wien Energie die Tauglichkeit der neuen Blockchain-Technologie für eine Tradingplattform im internationalen Gashandel.

Potenzialanalyse für die Blockchain-Technologie

Bei Blockchain-Lösungen für die Energiewirtschaft wird beispielsweise die dezentrale Erzeugung in Kleinanlagen (etwa Photovoltaik-Anlagen) mit einem Transaktionssystem kombiniert, das autonom, ohne zentrale Instanz agiert. Durch die Speicherung und Verschlüsselung von Transaktionsdaten auf den Computern der Teilnehmer ermöglicht Blockchain eine sichere Person-zu-Person-Abwicklung von vertrauensbasierten Geschäften. Damit stellt sie einen radikalen Gegenentwurf zur bestehenden Systemarchitektur dar, mit deren Hilfe die Energiewirtschaft auf die Herausforderungen der Dezentralisierung und Digitalisierung der Energieversorgung reagieren kann. Bei einem breiten Roll-Out ergeben sich damit für Energieunternehmen vollkommen neue Marktchancen für Dienstleistungen und Anwendungen. Diese gehen vom Energiehandel, der E-Mobilität bis zum Strom-Sharing oder dem Internet-of-things. So könnte eine Blockchain-Anwendung im Bereich E-Mobilität die Zurverfügungstellung privater Ladestationen an andere User ermöglichen. User könnten über die Blockchain und Smart Contracts (automatisierte Verträge) vollkommen automatisiert an privaten und öffentlichen Ladestationen laden und bezahlen. Die Verrechnung und Dokumentation würde in real-time erfolgen.

Wachstum von Wiener Startups wird durch Kapitalmangel ausgebremst

1 Studie der MODUL University Vienna analysiert die Finanzsituation der Startup-Szene in Wien. Acht konkrete Empfehlungen zeigen Weg zur internationalen Spitze.

10-mal mehr privates Investitionskapital als in Wien steht Startup-Unternehmen in Europa im Durchschnitt zur Verfügung (in Prozent des BSP). Dies ist nur 1 von vielen Aspekten der Kapitalsituation von technologie-orientierten Startup-Unternehmen in Wien, die nun in 1 von der Wirtschaftskammer Wien unterstützten Studie der MODUL University Vienna gefunden wurden. Insgesamt zeigt die Studie pragmatische und konkrete Möglichkeiten auf, wie es Wien gelingen könnte, den Anschluss an die weltweit 20 führenden Standorte für die Gründung eines Startup-Unternehmens zu schaffen.

Egal ob im Silicon Valley oder in Wien: erst nachhaltige Investitionen über längere Entwicklungszeiträume gewähren 1 echte Erfolgschance. Das Angebot an Finanzierungen zu optimieren, ist laut 1 aktuellen Studie des Department of Public Governance and Sustainable Development der MODUL University Vienna daher 1 wesentlicher Faktor, um das große Potenzial Wiens als Startup-Ökosystem voll zu nutzen. Schon bessere Vernetzung und Koordination könnte 1 guten Beitrag leisten. Aber auch die smarte Bereitstellung öffentlicher Gelder, steuerliche Investitionsanreize sowie der Abbau bürokratischer Hemmnisse für internationale Investoren würde es Wien erlauben, in den Wettbewerb mit den attraktivsten Startup-Standorten weltweit einzutreten

Promille statt Prozente

“Wir haben zahlreiche Statistiken aus Österreich und dem Ausland ausgewertet”, führt der Projektleiter Dr. Harvey Goldstein, Prof. emeritus am Department, aus. “Das zeigte, dass der Wert von österreichischen Risikokapitalinvestitionen in Österreich nur 0,03 Prozent, mit anderen Worten nur 30 Promille des Bruttosozialprodukts, betrug – das ist um 1 Zehnerpotenz weniger als der europäische Durchschnitt.” Um die Ursachen für diesen niedrigen Wert und die generelle Motivation von Investoren besser zu verstehen, führten die Studienautoren zahlreiche Interviews mit maßgeblichen Playern der österreichischen Finanzszene für privates Investitionskapital für technologie-orientierte Startups. Dabei fanden sie u. a. heraus, dass Business Angels zu den aktivsten Finanzgebern zählen – und 1 ganz wichtige Brücke zwischen den ersten Geldgebern aus dem Kreis der Familie sowie den Freunden und den späteren Risikokapitalgebern bilden. Wie die Studie weiter zeigt, macht diese Funktion die kleine Wiener Investmentszene ausgesprochen dynamisch und resilient. 1 echter Pluspunkt für Wien.

Entscheidungsfähig

Interessanterweise zeigt die Studie auch, dass verschiedene Investorentypen nach ziemlich gleichen Investmentkriterien entscheiden: Marktfähigkeit und Wachstumspotenzial, Businessplan, Prototypen sowie Marktüberblick sind relevant. Risikokapitalgeber legten bei ihren Entscheidungen zusätzlich noch starkes Gewicht auf Fähigkeiten des Startup-Teams (komplementäre Kompetenzen, Teamfähigkeit, Stressresistenz).

Informations- und Geldfluss

1 der Studienautorinnen Dr. Sabine Sedlacek, Leiterin des Departments und Vizerektorin für Forschung, weist auf weitere Ergebnisse der Studie hin, deren Daten in den letzten 24 Monaten erhoben und ausgewertet wurden: “Interessant sind auch die Informationsflüsse innerhalb der Startup-Szene – während Risikokapitalgeber eher auf Insider-Informationen aus ihren eigenen Netzwerken hin reagieren, sind Business Angels offener in der Kommunikation. Sie tauschen sich oftmals untereinander aus und werden auch gern direkt von Startup-Teams angesprochen.” Tatsächlich sehen die Studienautoren in diesen unterschiedlichen Kommunikationsflüssen gutes Potenzial, um die synergetische Zusammenarbeit der verschiedenen Investoren in Wien zukünftig zu optimieren und machen in ihrer Studie dazu auch konkrete Empfehlungen.

Wien, Berlin, Amsterdam und Tel Aviv

1 ganz wesentlichen Teil der Studie nahm auch der Vergleich von Wien als Startup-Ökosystem mit international vergleichbaren Städten 1, die es alle innerhalb kurzer Zeit unter die TOP-20 der globalen Startup-Zentren geschafft haben: Tel Aviv, Berlin und Amsterdam. Dank dieses erstmals erfolgten Benchmarkings konnten die Autoren drei wesentliche Faktoren identifizieren, die zu den Erfolgen der drei internationalen Städte beigetragen haben. Dazu zählt 1 starke Priorisierung des Themas Entrepreneurship durch die Politik und Wirtschaft, die sich auch in gemeinsamen Förderungen von Startups niederschlägt. Des Weiteren gibt es in allen drei Städten zumindest 1 große Investmentinitiative zu Förderungen von Startups von der Seed- bis zur späten Wachstumsphase. Als drittes schafft dort dann auch 1 koordiniertes Vorgehen, 1 unterstützende Umgebung aus Investitionen, Infrastruktur und Weiterbildung für Startups.

Gerade dieser dritte Punkt fällt eng zusammen mit 1 Aspekt, den zahlreiche Interviewpartner der Studie ansprachen: der Mangel an 1 Vision bzw. Strategie seitens der Politik und Wirtschaft in Wien, die dazu beitragen kann bürokratische und ordnungspolitische Hindernisse für Investitionen aus dem Weg zu räumen. Diese führen durchaus zu 1 Zurückhaltung bei internationalen Investoren, wenn es um Investments in Wien geht. Jene Beispiele von ausländischen Investoren, die in Wiener Startups mitinvestiert haben, sind – so die einhellige Meinung – auf Grund von Netzwerken dazu gekommen – nicht weil Wien als Standort bereits ihre Aufmerksamkeit erweckt hatte.

The Way Forward

Aus ihrer umfassenden Analyse des Finanzierungsumfelds für technologie-orientierte Startup-Unternehmen in Wien ziehen die Studienautoren dann auch ganz konkrete Schlüsse, die in acht Empfehlungen an die Politik und Wirtschaft münden. Diese sind:

1. Initiation 1 Plattform zur Abstimmung von gemeinsamen Zielen für die Förderung der Startup-Szene in Wien
2. Errichtung eines 100M EUR Fonds zur Förderung der Entwicklungsphase von Startups durch Matchen privater Investitionen mit öffentlichen Förderungen
3. Gründung eines One-stop-Office zur Beratung und Unterstützung von Startups
4. Bündelung von Business Angel-Investitionen durch Fonds und Plattformen
5. Steueranreize und staatliche Garantien, um Risikokapitalinvestitionen attraktiver zu machen
6. Reduktion von Verwaltungsaufwand für ausländische Investitionen
7. Ergänzung von Schul- und Studienprogrammen mit der Thematik “Unternehmertum”
8. Durchführen 1 aktiven Bewerbung von Wien als dynamisches Startup-Ökosystem

Die nun abgeschlossene Studie der vier Autoren Prof. Harvey Goldstein, Dr. Dimitris Christopoulos, Dr. Verena Radinger-Peer und Dr. Sabine Sedlacek stellt auch 1 nahtlose Fortführung 1 früheren Studie zu Hindernissen für universitäre Startups in Wien dar. Diese wurde ebenfalls an der MODUL University Vienna durchgeführt und belegt einmal mehr die Praxisnähe des dortigen aktiven Forschungsschwerpunkts “Startup Ökosysteme”.