Interview mit Robert Frackowiak von Companisto

Die Crowdinvesting- Plattform Companisto hat immer öfter auch österreichische Startups im Portfolio und erweitert 2016 die Möglichkeiten für Companisten und Startups mit der Einführung der Life-Time-Beteiligung für Investoren und dem Aufbau des Companisto- Family- Programms, das Startups auch nach Abschluss der Finanzierung unterstützt.

Aktuell sind mehr als 64.000 Investoren bei Companisto registriert, die sich gemeinsam mit einem Finanzierungsvolumen von über 35 Millionen Euro an bislang 70 Finanzierungsrunden für Startups und Wachstumsunternehmen beteiligt haben.

startablish im Interview mit Robert Frackowiak, Head of Investment Management,  über die Unterschiede deutscher und österreichischer Kampagnen, lebenslange Beteiligungen und die Vorteile des Companisto- Netzwerkes.

Gibt es Unterschiede bei Crowdinvesting-Kampagnen aus Deutschland und Österreich seitens der Companisten?

Diese Erfahrung haben wir nicht gemacht. Wir haben für österreischische Gründer bereits vier Finanzierungsrunden durchgeführt. Alle haben erfolgreich die Mindestinvestmentschwelle überschritten. Unsere Investoren schauen also nicht, woher ein Startup kommt, sondern befassen sich mit dem Geschäftsmodell,  dem Team sowie dem bisher Erreichten. Hier ist wichtig, dass der Markt, der angesprochen werden soll, klar skalierbar ist und dass das Produkt bereits vorhanden ist. Hilfreich ist natürlich auch, dass wir eine gemeinsame Sprache besitzen. Das spiegelt sich auch bei den Investoren wider: Schon heute sind Österreicher nach den Deutschen die zweitaktivste Investorengruppe.

Dann frage ich mal andersrum, gibt es Unterschiede bei Crowdinvesting-Kampagnen seitens der Startups bezüglich Herangehensweise, Erwartungen, Investmenthöhe?

Nein, nicht wirklich. Wenn wir uns die bisherigen Finanzierungsrunden anschauen, die bei Companisto gelaufen sind, dann stellen wir fest, dass sie sich nicht wesentlich unterscheiden. Dies betrifft nicht nur die Bandbreite der Volumina, die investiert wurden, sondern auch die engagierte Art und Weise, wie Gründer an die Finanzierungsrundenplanung herangehen.

Wann würdest du einem Startup Crowdinvestings als Finanzierungsmethode empfehlen?

Startups, die für eine Finanzierungsrunde auf Companisto in Frage kommen, sollten bereits ein marktreifes Produkt und einen skalierbaren Markt haben sowie ein Team, das durch seinen Spirit und seine professionellen Kompetenzen überzeugt. Wir erhalten auch Bewerbungen von spannenden Startups, die das Potential dazu haben, aber noch in einer zu frühen Phase sind. Dann kann dies für Crowdfunding spannend sein – und dann teilen wir ihnen dies auch mit. Letztlich ist es so, dass die Crowd autonom entscheidet, ob sie in ein Startup investiert. Wir haben aber natürlich als Martkführer gewisse Erfahrungswerte und geben unsere Einschätzung auch weiter.

Ab welchem Betrag ist es möglich sich bei einem Startup zu beteiligen?

Bei uns gibt es keine Mindestinvestmentsumme. Das ist eine Besonderheit bei Companisto und ermöglicht Startups, besonders viele Investoren zu gewinnen, die auch als Multiplikatoren wirken können. Von der Verwaltung her ist dies auch sehr praktikabel, denn die Prozesse laufen bei uns komplett automatisiert ab.

Ihr habt vor kurzem das Companisto-Family-Programm eingeführt, was ist das?

Companisto gibt es bereits seit viereinhalb Jahren. Dadurch haben wir uns ein sehr großes Netzwerk aufgebaut. Im Oktober 2016 haben wir deshalb das „Companisto-Family-Programm“ gelaunched, das allen Companisto-Startups automatisch offensteht. Kern ist: Es unterstützt die Gründer nach dem Abschluss der Finanzierung aktiv bei der erfolgreichen Unternehmensentwicklung.  Einer unser Kooperationspartner ist PricewaterhouseCoopers (PwC). Bestandteil des Programms sind neben kostenlosen und jeweils auf die unterschiedlichen Geschäftsmodelle und Bedürfnisse der Gründer zugeschnittenen Experten-Workshops, auch ein intensiver Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer unter den Gründern. Amazon ist zum Beispiel auch ein Partner von uns. Unser Partner bietet den Companisto-Startups ein kostenloses umfangreiches Leistungspaket über die Sparte Amazon Launchpad an.

Wie lange steht den Startups das Companisto-Netzwerk offen?

Ähnlich wie eine Universität ihren ehemaligen Studenten offensteht, steht auch das Programm unseren Gründern grundsätzlich offen. Companisto unterstützt wie gesagt indirekt über das Netzwerk, indem es vermittelt und vernetzt. Wir sind eine Vermittlungsplattform, wir führen natürlich nicht die Startups. Bei Companisto ist eine eigene IT-Abteilung damit befasst, die Abläufe automatisch ablaufen zu lassen.  Wir bringen unsere Family-Mitglieder auf einigen Events zusammen, die wir organisieren und halten sie über den Family-Newsletter auf dem Laufenden – aber das ist auch schon der größte organisatorische Aufwand. Und der ist es uns absolut wert für unsere Startups!

Ebenfalls 2016 habt ihr die Life-Time-Beteiligung eingeführt?

Die Life-Time-Beteiligung ermöglicht unseren Startups einen leichteren Zugang zu Anschlussfinanzierungen von weiteren Kapitalgebern, wie z.B. VCs, BAs oder institutionellen Investoren. Anschlussfinanzierungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer positiven Unternehmensentwicklung, da das Startup mit genügend Kapital ausgestattet werden kann. Damit wird auch ein Exit wahrscheinlicher, wodurch letztlich auch unsere Companisten profitieren. Bei Companisto gab es bisher drei Exits. Der erste Exit fand im Frühjahr 2015 statt. 2016 gab es zwei weitere Exits. Durch die Weiterentwicklung des Beteiligungsmodells nähern wir die Beteiligungen der Companisten wirtschaftlich nahezu vollständig an Eigenkapitalbeteiligungen an.

Stellt Companisto bei diesem Beteiligungsmodell auch die Beteiligungsverträge?

Wir sind in der komfortablen Lage, dass unsere Gründer David Rhotert und Tamo Zwinge beide Rechtsanwälte sind. Da sie einen Schwerpunkt im Bereich Gesellschaftsrecht haben, ist dies natürlich eine sehr wichtige Expertise. So wurden unsere Verträge so ausgestaltet, dass Anschlussfinanzierungen problemlos möglich sind. Bereits jetzt sind 85 % der Crowdinvestings auf Companisto Co-Finanzierungsrunden, bei denen vorher oder gleichzeitig Business Angels bzw. Venture Capital-Gesellschaften in die Startups investiert haben. Zwei Beispiele:  Das Startup Kumpan electric erhielt noch während der Finanzierungsrunde bei uns einen mittleren sechsstelligen Betrag von VC-Gebern; ameria kurz nach Abschluss der Finanzierungsrunde einen fast siebenstelligen Betrag durch einen Investor.

Gibt es seitens Companisto eine maximale Anzahl an Investoren, die sich bei einem Startup beteiligen können?

Nein, es gibt nach oben hin keine Begrenzung. Da bei uns die Verwaltung der Investoren komplett digital abläuft, ist dies auch kein Aufwand. Sie werden weiterhin durch die Plattform gepoolt – also zusammengefasst. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass die Investoren natürlich wirtschaftlich beteiligt werden, aber gesellschaftsrechtlich und operativ kein Mitspracherecht haben. Eine andere bedeutende Ergänzung ist, dass durch die Crowd, die in ein Startup investiert hat, ein großer Pool an Unterstützern vorhanden ist, die als Multiplikatoren oder Quelle von Open-Innovation wirken. Andere Startups müssen Feedback einkaufen – hier ist die kritische Masse von Anfang an da.

Entspricht die Life-Time- Beteiligung einer Darlehens- oder Risikokapitalfinanzierung?

Die Companisten investieren in das Startup über ein sogennantes partiarisches Nachrangdarlehen. Diese Form der Finanzierung ist wirtschaftlich jedoch wie eine Eigenkaptialfinanzierung zu betrachten und ist dem Wagniskapital zuzuordnen. Kern ist: Durch ein solches Darlehen wird der Investor nicht Mit-Eigentümer des Startups, sondern das Startup beteiligt den Investor an Gewinnen und Exit-Erlösen so „als wäre er Mit-Eigentümer“. Man spricht deshalb von einer „virtuellen“ oder „wirtschaftlichen“ Beteiligung. Im Vergleich zu Eigenkapital-Beteiligungen wurden einige Eigenschaften hinzugefügt, während andere weggelassen wurden. Partiarische Darlehen unterscheiden sich deshalb in einigen Punkten von Eigenkapital-Beteiligungen, zielen aber ebenso wie Eigenkapital darauf ab, dass die Investoren am wirtschaftlichen Erfolg des Startups beteiligt werden.

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Wien Energie testet Blockchain-Technologie

BTL, Wien Energie und EY testen ab Februar in Wien die neue Peer-to-peer-Technologie für Transaktionen in der Energiewirtschaft

Wien Energie beteiligt sich gemeinsam mit anderen internationalen Energieunternehmen an einem von BTL GROUP LTD, einem kanadischen Blockchain-Startup, durchgeführten Blockchain Pilotprojekt. BTL wird auf Basis ihrer bestehenden Interbit Handelsplattform ein Pilotprojekt für den Gashandel durchführen. Das Beratungsunternehmen EY unterstützt BTL hinsichtlich Evaluierung und Prüfung der erstellten Lösung. Ziel des dreimonatigen Projektes ist, die Blockchain-Technologie für den Energiehandel zu erproben.

Der Blockchain-Technologie werden für die Zukunft des Energiemarktes große Potenziale eingeräumt. Sie gilt als einer der nächsten großen Trends der Energiewirtschaft. Mit dieser Technik und den damit verbundenen Netzwerkmöglichkeiten kann die Entwicklung dezentraler Energieliefersysteme gefördert werden. Noch steckt die Technologie in einem sehr frühen Versuchsstadium, da insbesondere in der Energiewirtschaft auch hohe regulatorische Vorgaben eingehalten werden müssen.

„Mit dem jetzt gestarteten Pilotprojekt können wir mit unseren Partnern Know-how im Blockchain-Bereich aufbauen und die neue Technologie auf ihre Chancen und Vorteile abtesten. Ebenso wollen wir analysieren, wie daraus neue Geschäftsmodelle entstehen können“, sagt Peter Gönitzer, Geschäftsführer bei Wien Energie. „Durch unterschiedliche Versuchsanordnungen mit der Technologie sollen neue Erkenntnisse zum Einsatz von Blockchain im Energiegeschäft gewonnen bzw. mögliche Prozessoptimierungen und Kosteneinsparungen ausgelotet werden.“ „Die Blockchain-Technologie ist ein weiterer Digitalisierungstrend, der auf die Energiewirtschaft zukommt. Als Österreichs größter Energiedienstleister wollen wir die Chancen dieser Technologie aktiv für unsere Kunden und uns nutzen“, ergänzt Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung.

„Das ist eine großartige Chance für die Energiewirtschaft und BTL ist begeistert, den Wandel in diesem Bereich durch unsere Interbit-Plattform voranzutreiben”, sagte Guy Halford-Thompson, Geschäftsführer und Mitbegründer von BTL. „Durch die Nutzung der Blockchain-Technologie werden die Energie-unternehmen in der Lage sein, die Kosten mehrerer Geschäftsbereiche erheblich zu senken. Die Beteiligung von Wien Energie an diesem Pilotprojekt wird für alle Beteiligten sehr wertvoll sein.”

Andreas Freitag, Manager bei EY Österreich: „Die Energieindustrie sollte sich aktiv mit der Blockchain-Technologie beschäftigen. Die Auswirkungen auf bestehende Prozesse und Märkte könnte enorm sein. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Technologie zu erproben und das eigene Unternehmen auf die kommenden Veränderungen einzustellen. Das Projekt hilft der Energiewirtschaft das künftige Potential der Technologie noch besser einzuschätzen und hebt das Verständnis, wie das Blockchain-Protokoll die Energiewelt beeinflussen wird.“

Im Rahmen des von Februar bis Mai 2017 laufenden Pilotprojekts testet Wien Energie die Tauglichkeit der neuen Blockchain-Technologie für eine Tradingplattform im internationalen Gashandel.

Potenzialanalyse für die Blockchain-Technologie

Bei Blockchain-Lösungen für die Energiewirtschaft wird beispielsweise die dezentrale Erzeugung in Kleinanlagen (etwa Photovoltaik-Anlagen) mit einem Transaktionssystem kombiniert, das autonom, ohne zentrale Instanz agiert. Durch die Speicherung und Verschlüsselung von Transaktionsdaten auf den Computern der Teilnehmer ermöglicht Blockchain eine sichere Person-zu-Person-Abwicklung von vertrauensbasierten Geschäften. Damit stellt sie einen radikalen Gegenentwurf zur bestehenden Systemarchitektur dar, mit deren Hilfe die Energiewirtschaft auf die Herausforderungen der Dezentralisierung und Digitalisierung der Energieversorgung reagieren kann. Bei einem breiten Roll-Out ergeben sich damit für Energieunternehmen vollkommen neue Marktchancen für Dienstleistungen und Anwendungen. Diese gehen vom Energiehandel, der E-Mobilität bis zum Strom-Sharing oder dem Internet-of-things. So könnte eine Blockchain-Anwendung im Bereich E-Mobilität die Zurverfügungstellung privater Ladestationen an andere User ermöglichen. User könnten über die Blockchain und Smart Contracts (automatisierte Verträge) vollkommen automatisiert an privaten und öffentlichen Ladestationen laden und bezahlen. Die Verrechnung und Dokumentation würde in real-time erfolgen.

Wenn die Crowd mit dem VC kooperiert: Co-Finanzierungen im Crowdinvesting

Was haben eine Logistik-App aus den USA, eine Banking-App aus Israel und ein Zahnersatz-System aus Deutschland gemeinsam? Sie alle werden sowohl von der Crowd als auch von renommierten Venture-Capital-Firmen finanziert. Sowohl in den USA und Israel als auch in Europa kommt es immer häufiger zu Co- und Anschlussfinanzierungen bei crowdfinanzierten Startups. Dabei arbeiten professionelle Investoren wie Business Angels oder Venture-Capital-Gesellschaften und Crowdinvesting-Plattformen zusammen, um die Finanzierung eines Startups zu stemmen.

Co-Finanzierungen in den USA, Israel und Europa

Auf Crowdfunder, einer der führenden US-Plattformen für equity-based Crowdfunding, laufen aktuell drei co-finanzierte Kampagnen. Das Fashion-Startup Style Lend und die Event-App Gigwell werden beide vom renommierten VC-Investor Y Combinator co-finanziert und konnte jeweils schon mehr als 2 Millionen Dollar einwerben. Hinzu kommt die Logistik-App Shipsi, die durch Propellor VC co-finanziert wird und schon 3,7 Millionen Dollar einsammeln konnte.
In Israel ist die Plattform OurCrowd der führende Anbieter für Startup-Investitionen. Aktuell laufen dort zwei Kampagnen, die mithilfe großer VCs co-finanziert werden. Die Banking-App Rewire wird von Moneta Seeds unterstützt und das Startup engie wird vom kalifornischen Risikokapitalgeber 8VC mitfinanziert.
Auch in Europa hat sich ein Trend der Co-Finanzierung zwischen der Crowd und VC-Firmen etabliert. Auf Seedrs, einer der größten britischen Plattformen für equity-based Crowdfunding, lief Anfang August eine Co-Finanzierung für die Banking-App Revolut an. Index Ventures, Balderton Capital und Ribbit Capital investierten zuvor rund 56 Millionen Euro. Auf Seedrs suchte Revolut nach weiterem Wagniskapital. In weniger als 24 Stunden sammelte das FinTech-Unternehmen nochmal 4,5 Millionen Euro über die Crowd ein, wie TechCrunch berichtet.

In Deutschland ist Companisto markführende Crowdinvesting-Plattform für Startups. Dort finden zurzeit zwei große Co-Finanzierungen statt. Das Startup Meine Spielzeugkiste konnte bisher 1,2 Millionen Euro professionellen Investoren einsammeln, darunter Business Angels wie Frank Thelen sowie Venture-Capital-Gesellschaften wie ProSiebenSat.1 und BonVenture. Und das MedTech-Startup NDI AG wurde von VC-Gesellschaften wie IBB Beteiligungsgesellschaften mbH und dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) mit 1 Million Euro ausgestattet und will noch einmal 1,5 Millionen Euro von der Crowd einsammeln.

Sind Crowdinvesting und Venture Capital kompatibel?

Doch woher kommt auf einmal dieser neue Trend? In der Vergangenheit war ein Finanzierungsmix aus Crowdfunding und Venture Capital die Ausnahme. Aus der VC-Branche gab es immer wieder Zweifel an der Vereinbarkeit der beiden Finanzierungsformen. Die größten Kritikpunkte waren dabei die Unerfahrenheit der Crowdinvestoren und der erhöhte Aufwand für einen professionellen Investor, wenn er sich mit der Crowd auseinander setzen musste.
VC-Investoren wurden von der Vorstellung abgeschreckt, mit Hunderten von Mikroinvestoren kommunizieren zu müssen. Diesen Hauptkritikpunkt von VCs und Business Angels haben die meisten Crowdinvesting-Plattformen frühzeitig erkannt. Als Frühphasen-Finanzierer sind sie auf Folgeinvestitionen angewiesen, denn die Startups benötigen weiteres Wachstumskapital, um langfristig erfolgreich zu sein. Daher haben die Plattformen ihre Verträge entsprechend modernisiert.

Die Berliner Crowdinvesting-Plattformen  Innovestment und Companisto zum Beispiel haben in ihren Verträgen eine Pooling-Vereinbarung, durch die die Crowd gebündelt und als ein einziger Gesellschafter behandelt wird. Innovestment bündelt alle Investoren in einer eigens gegründeten Zweckgesellschaft – dem sogenannten Special Purpose Vehicle (SPV) – und vereinfachte damit den Einstieg professioneller Investoren. Companisto bündelt die Investoren zu einer Interessensgruppe und fungiert als Ansprechpartner. So ist nicht jeder neue Darlehensgeber ein eigener Gesellschafter, sondern die gesamte Crowd ist Mitgesellschafter des Startups.
VC-Investoren müssen daher nicht mehr mit jedem einzelnen Crowdinvestor verhandeln, wenn sie in ein Startup investieren wollen. Sollte etwa im Zuge einer Anschlussfinanzierung eine Vertragsänderung der Mikroinvestoren nötig sein, führt die Plattform dazu eine Umfrage unter den Investoren durch. Durch die gesetzlich vorgegebene Beteiligungsform des Nachrangdarlehens ist eine direkte Einflussnahme der Crowdinvestoren auf das operative Geschäft des Startups jedoch ausgeschlossen.

Ebenfalls von Bedeutung für VC-Investoren ist die Vertragslaufzeit. Üblicherweise gilt in der VC-Branche das „First in, last out“-Prinzip, wonach derjenige Investor, der zuerst investiert hat, als letztes sein Geld wiederbekommt. So wollen VCs verhindern, dass Kapital vor einem Exit aus dem Startup abfließt. Daher achten sie auch bei crowdfinanzierten Startups sehr stark darauf, dass die Vertragslaufzeit lang genug ist, um mit dem Kapital zu planen. Die meisten Verträge laufen mindestens sieben Jahre. Das gibt auch späteren Investoren die Planungssicherheit, die sie brauchen.
Auch der Zweifel an der Eignung der Crowdinvestoren konnte kürzlich entkräftet werden, wie aus einem Bericht der FAZ hervorgeht. Demnach verfügt der durchschnittliche Investor auf Companisto laut einer Umfrage über Investmenterfahrung mit Unternehmensbeteiligungen. „70 Prozent sagten […], dass sie langjährig oder regelmäßig investierten, einige wenige (3,4 Prozent) bezeichneten sich gar als Investment-Experten. Mehr als 60 Prozent investieren auch in Aktien, deutlich weniger in Fonds, mehr noch in Tagesgeld – vermutlich als Zwischenparkplatz“, so die Einschätzung der FAZ. Die Fachkenntnis der Crowdinvestoren bestätigt auch ein weiterer FAZ-Bericht, wonach crowdfinanzierte Startups bisher eine niedrigere Insolvenzquote aufweisen als der Branchendurchschnitt.

David Rhotert | © Companisto

Crowd und VCs: Kooperation statt Konkurrenz

Crowdinvesting tritt nicht in Konkurrenz zu den klassischen Wagniskapitalgebern, sondern ergänzt die Branche um eine Alternative in der Frühphasenfinanzierung. Durch die Anpassung der Verträge haben die Plattformen die Weichen gestellt, um beide Finanzierungsformen kompatibel zu machen. Das zeigt sich in der steigenden Zahl von Co- und Anschlussfinanzierungen. Ein weiterer Aspekt, der für eine gestiegene Akzeptanz des Crowdinvesting bei Profi-Investoren spricht, sind Anschlussfinanzierungen. So fungiert die Crowd inzwischen oft als Wagniskapitalgeber der ersten Stunde. Namhafte VCs scheuen vielleicht das Risiko einer Early-Stage-Finanzierung, steigen jedoch nicht selten zu einem späteren Zeitpunkt in das jeweilige Startup ein.

Auf Companisto sind beispielsweise über 85 Prozent aller Startups co-finanziert und etwa 42 Prozent anschlussfinanziert sind. Als Co-Finanzierung versteht man dabei jede Form der Finanzierung, die kurz vor oder während einer Crowdinvesting-Kampagne stattfindet. Eine Anschlussfinanzierung bezeichnet dagegen nur eine Finanzierung, die nach Abschluss der Kampagne stattfindet. Bekannte Beispiele für Anschlussfinanzierungen durch professionelle Investoren sind die Payment-App Cringle (Axel Springer) und sowie das Medizintechnik-Startup EBS Technologies (Earlybird & High-Tech Gründerfonds).
Mit Hinblick auf Deutschland haben die nun vermehrt auftretenden Co- und Anschlussfinanzierungen noch einen weiteren Grund. Die Venture-Capital-Branche hierzulande hat ein strukturelles Problem. VC-Gesellschaften stehen unter einem enormen Renditedruck, um die Erwartungen ihrer Investoren zu erfüllen. Diesen reichen sie in der Regel an die Startups weiter, in dem sie schnelles Wachstum zu jedem Preis fordern. Zugleich zeigen aktuelle Untersuchungen, dass die Exit-Erlöse in Deutschland weiter hinter denen in den USA zurückbleiben. In den USA liegen Renditen aus einem Exit mitunter um den Faktor 50 über den hiesigen.
Diese Tatsache trifft auf einen generellen Mangel an Wagniskapital. In Deutschland wurden im letzten Jahr nur noch 1,9 Milliarden Euro in Startups investiert, wie aus Zahlen des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) hervorgeht. Im Jahr zuvor waren es noch 3,6 Milliarden Euro. Die Kooperation zwischen klassischen VC-Investoren und Crowdinvesting-Plattformen erscheint vor diesem Hintergrund als logische Konsequenz einer Branche, die sich weiterentwickeln muss, wenn Deutschland auf Dauer wettbewerbsfähig bleiben will.

David Rhotert