Scheitern erlaubt – Ein Interview mit Michael Mayer

“Wenn man Bekannten und Freunden davon erzählt sich selbstständig zu machen, sind die häufigsten Reaktionen keine Glückwunschbekundungen, sondern die Frage danach, was man tut, wenn man mit seiner Idee auf die Nase gefallen ist oder, mein persönlicher Favorit „Und wenn es nicht klappt, dann kannst du ja immer noch …“. Ich habe noch nie verstanden, warum man immer davon ausgeht, dass jemand bei der Verwirklichung seiner Träume scheitert und warum das überhaupt etwas Schlechtes ist, zumindest hat man es versucht. Ich möchte später einmal von Taten und Erfahrungen, nicht von Träumen erzählen!”

Michael Mayer, Nationaldirektor des BNI Österreich und Deutschland, im Interview mit startablish.at über das Thema Scheitern in der Startup- Szene und was man daraus lernen kann.

Das Risiko zu Scheitern ist bei der Gründung eines Startups verhältnismäßig hoch. Fehlendes Knowhow, hoher Finanzierungsbedarf, passendes Team. Warum sollte man überhaupt den Schritt in die Selbstständigkeit wagen?

Unternehmertum bedeutet neben Freiheit und Kreativität auch Risiko, das ist klar. Doch die individuellen Chancen für Aufstieg, Karriere und Erfolg sind als Unternehmer vergleichbar höher. Als Selbstständiger hat man mehr Einfluss auf sein berufliches Schicksal. Man kann Ideen, für die man „brennt“, umsetzen. Als Angestellter ist das meistens nur schwer möglich. Auch der monetäre Erfolg ist sicherlich ein Faktor – wenn eine Idee einschlägt, kann man als selbstständiger Unternehmer ein Vielfaches verdienen. Wenn die Leidenschaft für das eigene Projekt vorhanden ist, rate ich in jedem Fall dazu, die Selbstständigkeit zu wagen.

Auch wenn Scheitern heutzutage kein komplettes Tabu-Thema mehr ist: ist es sinnvoll mit seinen Misserfolgen hausieren zu gehen? Beispielsweise um Investoren zu überzeugen oder um einen Kredit bei der Bank zu beantragen?

Es ist der falsche Weg, Misserfolge zu verheimlichen. Vor allem in Zeiten von Facebook & Co. sind Misserfolge oft unsichtbar, während nur die Erfolge zu sehen sind. Hier zahlt sich Ehrlichkeit aus. Schließlich hilft es auch anderen zu sehen, dass jeder Hochs und Tiefs hat. Aufstehen und einen neuen Versuch starten – aus diesem Holz sind erfolgreiche Unternehmer gemacht.

Wer mit seinem eigenen Unternehmen durchstarten will, der muss vor allen Dingen natürlich eines sein: mutig!

Ist das Scheitern mit einem Projekt in der Startup- Szene akzeptierter als in anderen gesellschaftlichen Bereichen?

In Wirklichkeit ist es doch  so – sehr vieles, das man versucht, scheitert. Je größer das Wagnis, desto sichtbarer wird natürlich auch das Scheitern. Junge Gründer versuchen viel, haben den Traum vom Unicorn vor Augen. Sie können die spektakulärsten Erfolge schaffen, sind Innovationstreiber und werden immer mehr auch politisch relevant. Eine Nummer kleiner geht es Angestellten auch nicht anders: Wenn man sich für einen neuen Job bewirbt, schlägt der Großteil der Bewerbungen fehl. Doch einer dieser Versuche wird gewinnen, da darf man sich nicht entmutigen lassen.

Kann man das Scheitern einer Idee auch als Erfolg betrachten?

Scheitern und Versagen können auf jeden Fall eine Chance sein – wenn man aus seinen Fehlern lernt, daraus seine Schlüsse zieht. Natürlich kann es auch den Punkt geben, an dem man einsehen sollte, dass ein anderer Weg besser wäre. Wann genau dieser eintritt, kann ich pauschal nicht beurteilen.

Wie lauten deiner Meinung nach die wichtigsten Erkenntnisse nach einem Misserfolg?

Lerne daraus und gib nicht auf. Niederlagen muss man hinter sich lassen, nach vorne schauen, Chancen wahrnehmen und weitermachen. Bei BNI (Business Network International) treffen sich wöchentlich Unternehmer verschiedenster Branchen, um Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und vor allem um sich zu unterstützen. Es gibt einen starken Zusammenhalt und viel Solidarität unter den Mitgliedern – auch, wenn  es einmal nicht funktioniert, obwohl alles gegeben wurde.

Welche persönliche Erfahrung bezüglich Scheitern hat dich am meisten geprägt?

Persönlich hat mich am meisten geprägt, als ich für eine Stadtgemeinde ein Angebot gelegt habe – im Wert von damals über 16 Millionen Schilling. Ich war Bestbieter und habe dennoch den Auftrag nicht erhalten, einfach weil ich nicht aus dieser Gemeinde stammte. Das hat sehr lange an mir „genagt“, ich bin in ein tiefes Loch gefallen, es hat Monate gedauert bis ich die Energie wieder gefunden habe und mich aufraffen konnte, wieder gefestigt an neue Projekte heranzugehen. Seit damals weiß ich, berufliches Scheitern gehört dazu, es ist nur die Frage, wie stark man ist, danach wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Michael Mayer hat in seiner Funktion als Nationaldirektor von BNI Österreich und Deutschland (Business Network International) viele Unternehmer scheitern und wachsen gesehen. Denn Unternehmertum bedeutet neben Freiheit und Kreativität auch Risiko.

BNI ist das weltweit größte Unternehmernetzwerk für Geschäftsempfehlungen, wurde 1985 in den USA gegründet und hat sich seither in bereits 69 Ländern etabliert. Weltweit profitieren rund 190.000 kleine und mittelständische Betriebe, Freiberufler und Selbständige in derzeit 7.300 lokalen Gruppen von der provisionsfreien gegenseitigen Weitergabe von Neukunden-Empfehlungen. Insgesamt wurde im Jahr 2015 ein Umsatz von 86,6 Millionen erwirtschaftet.

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Wien Energie testet Blockchain-Technologie

BTL, Wien Energie und EY testen ab Februar in Wien die neue Peer-to-peer-Technologie für Transaktionen in der Energiewirtschaft

Wien Energie beteiligt sich gemeinsam mit anderen internationalen Energieunternehmen an einem von BTL GROUP LTD, einem kanadischen Blockchain-Startup, durchgeführten Blockchain Pilotprojekt. BTL wird auf Basis ihrer bestehenden Interbit Handelsplattform ein Pilotprojekt für den Gashandel durchführen. Das Beratungsunternehmen EY unterstützt BTL hinsichtlich Evaluierung und Prüfung der erstellten Lösung. Ziel des dreimonatigen Projektes ist, die Blockchain-Technologie für den Energiehandel zu erproben.

Der Blockchain-Technologie werden für die Zukunft des Energiemarktes große Potenziale eingeräumt. Sie gilt als einer der nächsten großen Trends der Energiewirtschaft. Mit dieser Technik und den damit verbundenen Netzwerkmöglichkeiten kann die Entwicklung dezentraler Energieliefersysteme gefördert werden. Noch steckt die Technologie in einem sehr frühen Versuchsstadium, da insbesondere in der Energiewirtschaft auch hohe regulatorische Vorgaben eingehalten werden müssen.

„Mit dem jetzt gestarteten Pilotprojekt können wir mit unseren Partnern Know-how im Blockchain-Bereich aufbauen und die neue Technologie auf ihre Chancen und Vorteile abtesten. Ebenso wollen wir analysieren, wie daraus neue Geschäftsmodelle entstehen können“, sagt Peter Gönitzer, Geschäftsführer bei Wien Energie. „Durch unterschiedliche Versuchsanordnungen mit der Technologie sollen neue Erkenntnisse zum Einsatz von Blockchain im Energiegeschäft gewonnen bzw. mögliche Prozessoptimierungen und Kosteneinsparungen ausgelotet werden.“ „Die Blockchain-Technologie ist ein weiterer Digitalisierungstrend, der auf die Energiewirtschaft zukommt. Als Österreichs größter Energiedienstleister wollen wir die Chancen dieser Technologie aktiv für unsere Kunden und uns nutzen“, ergänzt Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung.

„Das ist eine großartige Chance für die Energiewirtschaft und BTL ist begeistert, den Wandel in diesem Bereich durch unsere Interbit-Plattform voranzutreiben”, sagte Guy Halford-Thompson, Geschäftsführer und Mitbegründer von BTL. „Durch die Nutzung der Blockchain-Technologie werden die Energie-unternehmen in der Lage sein, die Kosten mehrerer Geschäftsbereiche erheblich zu senken. Die Beteiligung von Wien Energie an diesem Pilotprojekt wird für alle Beteiligten sehr wertvoll sein.”

Andreas Freitag, Manager bei EY Österreich: „Die Energieindustrie sollte sich aktiv mit der Blockchain-Technologie beschäftigen. Die Auswirkungen auf bestehende Prozesse und Märkte könnte enorm sein. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Technologie zu erproben und das eigene Unternehmen auf die kommenden Veränderungen einzustellen. Das Projekt hilft der Energiewirtschaft das künftige Potential der Technologie noch besser einzuschätzen und hebt das Verständnis, wie das Blockchain-Protokoll die Energiewelt beeinflussen wird.“

Im Rahmen des von Februar bis Mai 2017 laufenden Pilotprojekts testet Wien Energie die Tauglichkeit der neuen Blockchain-Technologie für eine Tradingplattform im internationalen Gashandel.

Potenzialanalyse für die Blockchain-Technologie

Bei Blockchain-Lösungen für die Energiewirtschaft wird beispielsweise die dezentrale Erzeugung in Kleinanlagen (etwa Photovoltaik-Anlagen) mit einem Transaktionssystem kombiniert, das autonom, ohne zentrale Instanz agiert. Durch die Speicherung und Verschlüsselung von Transaktionsdaten auf den Computern der Teilnehmer ermöglicht Blockchain eine sichere Person-zu-Person-Abwicklung von vertrauensbasierten Geschäften. Damit stellt sie einen radikalen Gegenentwurf zur bestehenden Systemarchitektur dar, mit deren Hilfe die Energiewirtschaft auf die Herausforderungen der Dezentralisierung und Digitalisierung der Energieversorgung reagieren kann. Bei einem breiten Roll-Out ergeben sich damit für Energieunternehmen vollkommen neue Marktchancen für Dienstleistungen und Anwendungen. Diese gehen vom Energiehandel, der E-Mobilität bis zum Strom-Sharing oder dem Internet-of-things. So könnte eine Blockchain-Anwendung im Bereich E-Mobilität die Zurverfügungstellung privater Ladestationen an andere User ermöglichen. User könnten über die Blockchain und Smart Contracts (automatisierte Verträge) vollkommen automatisiert an privaten und öffentlichen Ladestationen laden und bezahlen. Die Verrechnung und Dokumentation würde in real-time erfolgen.

Waytation holt Investment von Hansi Hansmann und startup300

Das Wiener Startup Waytation, das „Google Analytics für Messen und Kongresse“, hat sich mit der ersten Finanzierungsrunde einen siebenstelligen Betrag geholt. Mit Johann „Hansi“ Hansmann und startup300 sind zwei der bekanntesten Investoren des Landes eingestiegen. Mit dem Investment werden Florian Bräuer und Cemsit Yelgin, die Gründer von Waytation, den Messe- und Kongressmarkt in das digitale Zeitalter führen.

„Wir messen Messen“ fasst Florian Bräuer die Geschäftsidee des 2015 gegründeten Unternehmens in drei Worten zusammen. Mit „smarten“ Namenschildern und eigens entwickelter Sensoren erfasst Waytation Besucherströme und Verhaltensmuster nahtlos und kann die komplette „Customer Journey“ eines Besuchers auf Messen und Events visualisieren. Die Erfolgsanalysen sind anonymisiert, jedoch kategorisiert, wodurch punktgenau gezeigt wird, welche Zielgruppen sich für welche Vortragsthemen und Messestände interessieren. „Bisher gab es solche Kennzahlen und Fakten nicht. Veranstalter können erstmals das Erlebnis der Besucher verstehen, Trends aufgreifen und den Erfolg ihrer Investitionen messen“, erklärt Cemsit Yelgin.

Entwickeln, was der Kunde braucht

Obwohl die Veranstaltungsbranche neu für die beiden Gründer war, erzielten sie bereits im ersten Geschäftsjahr einen sechsstelligen Umsatz. Parallel dazu bauten sie ein beachtliches Technologie-Portfolio auf.

„Wir haben zuerst verkauft und erst danach zu entwickeln begonnen – ganz nach dem Lean Startup Principle“, erinnert sich das Gründerduo. Waytation traf den Bedarf des Marktes perfekt: ein Skype-Call genügte, um Grégoire Pavillon von dem Konzept zu überzeugen und damit EASL, einen der größten medizinischen Dachverbände Europas und Veranstalter des Internationalen Leberkongresses, als Kunden zu gewinnen. Als Unterstützer der ersten Stunde kam EASL bei der aktuellen Finanzierungsrunde nun auch als strategischer Investor an Bord.

Waytation hat von Beginn an auf Geschwindigkeit gesetzt und beschäftigt mittlerweile ein Team von 20 Personen, wickelt Aufträge mit über 20.000 Besuchern ab und verarbeitet pro Event etwa 900 Millionen Datensätze. Im März steht der bisher größte Einsatz beim Radiologiekongress ECR an. Ab April beginnt mit Amsterdam und Helsinki die Expansion in die Eventmetropolen Europas.

Die Crème de la Crème der Szene

Die Waytation-Vision ist groß – und so auch die erste Finanzierungsrunde. Der „Best European Early Stage Investor“ Hansi Hansmann investierte ebenso wie die startup300 AG, das größtes Business Angel Netzwerk des Landes. Mit an Bord sind auch bekannte Business Angels wie Johannes Siller sowie der erste Waytation-Kunde EASL. Branchengrößen wie Christian Mutschlechner vom Vienna Convention Bureau oder Konrad Friedrich von ESR unterstützen Waytation tatkräftig. In Wien wird mit den starken Partnern Austria Center Vienna und Reed Exhibitions Messe Wien sogar bereits an einer Fixinstallation der Sensoren gearbeitet.

„In unserem ersten Jahr konnten wir das Interesse der größten Player der Branche wecken. Dass wir nun im zweiten Jahr auch noch die bedeutsamsten Investoren überzeugt haben, macht uns mehr als stolz“, erklären die Jungunternehmer. „Waytation löst eindeutig ein Problem und das auf sehr effiziente und elegante Weise. Die beiden Founder Florian und Cemsit haben einen klaren Zug zum Tor und haben mich schnell überzeugt. Wir werden von Waytation noch viel Gutes hören“, sagt Business Angel Hansi Hansmann.