Crowdinvesting verschafft enio frisches Kapital

Das Wiener Startup enio.at hat eine Finanzierungsrunde über 276.455€ auf der marktführenden Crowdinvestingplattform Companisto abgeschlossen

Die Finanzierungsrunde startete am 19.01.2016 und schloss erfolgreich ab. ENIO will künftig mit der Lösung „youCharge“ Privatpersonen, kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Kommunen europaweit ermöglichen, eine Ladestation für Elektroautos an bzw. auf dem Grundstück installieren zu können. Die Ladepunkte sind über eine App vernetzt und können von Elektro-Fahrern online reserviert und somit genutzt werden. Damit haben Wiener eine Lösung für ein europaweites Problem gefunden: Denn Elektro-Fahrzeuge werden immer leistungsfähiger – doch ein entsprechendes Netz an E-Ladestellen fehlt. „Durch ENIO können Privatpersonen ihr Grundstück zur E-Tankstelle werden lassen und so nicht nur erneuerbare Energien fördern, sondern auch Geld verdienen“, sagt ENIO-Gründer Friedrich Vogel, der gemeinsam mit Franz Schodl das Startup gründete. Fahrer von Elektrofahrzeugen, die bei youCharge mitmachen, können sich gegenseitig ihre Lade-Systeme zur günstigen Nutzung zur Verfügung stellen. Nichtmitglieder sollen youCharge zu Marktpreisen nutzen können.

Gemeinsam mit den Crowdinvestoren soll youCharge aufgebaut werden

Gemeinsam mit dem jetzt investierten Kapital der 534 Crowdinvestoren soll youCharge europaweit aufgebaut werden. „Wir freuen uns sehr über das Vertrauen der vielen Investoren, die gemeinsam mit uns europaweit Elektromobilität voranbringen möchten.“ Friedrich Vogel unterstreicht auch die Netzwerk-Effekte, die Startup-Gründer bei Crowdinvesting haben. „Über das Investment unserer vielen Schwarminvestoren hinaus, war unser Crowdinvesting ein wesentlicher Meilenstein in der Erweiterung unseres Netzwerkes, bei dem weitere wichtige Kontakte zu Großinvestoren entstanden – dies wird uns beim weiteren Aufbau von youCharge helfen“, so Friedrich Vogel.

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Wien Energie testet Blockchain-Technologie

BTL, Wien Energie und EY testen ab Februar in Wien die neue Peer-to-peer-Technologie für Transaktionen in der Energiewirtschaft

Wien Energie beteiligt sich gemeinsam mit anderen internationalen Energieunternehmen an einem von BTL GROUP LTD, einem kanadischen Blockchain-Startup, durchgeführten Blockchain Pilotprojekt. BTL wird auf Basis ihrer bestehenden Interbit Handelsplattform ein Pilotprojekt für den Gashandel durchführen. Das Beratungsunternehmen EY unterstützt BTL hinsichtlich Evaluierung und Prüfung der erstellten Lösung. Ziel des dreimonatigen Projektes ist, die Blockchain-Technologie für den Energiehandel zu erproben.

Der Blockchain-Technologie werden für die Zukunft des Energiemarktes große Potenziale eingeräumt. Sie gilt als einer der nächsten großen Trends der Energiewirtschaft. Mit dieser Technik und den damit verbundenen Netzwerkmöglichkeiten kann die Entwicklung dezentraler Energieliefersysteme gefördert werden. Noch steckt die Technologie in einem sehr frühen Versuchsstadium, da insbesondere in der Energiewirtschaft auch hohe regulatorische Vorgaben eingehalten werden müssen.

„Mit dem jetzt gestarteten Pilotprojekt können wir mit unseren Partnern Know-how im Blockchain-Bereich aufbauen und die neue Technologie auf ihre Chancen und Vorteile abtesten. Ebenso wollen wir analysieren, wie daraus neue Geschäftsmodelle entstehen können“, sagt Peter Gönitzer, Geschäftsführer bei Wien Energie. „Durch unterschiedliche Versuchsanordnungen mit der Technologie sollen neue Erkenntnisse zum Einsatz von Blockchain im Energiegeschäft gewonnen bzw. mögliche Prozessoptimierungen und Kosteneinsparungen ausgelotet werden.“ „Die Blockchain-Technologie ist ein weiterer Digitalisierungstrend, der auf die Energiewirtschaft zukommt. Als Österreichs größter Energiedienstleister wollen wir die Chancen dieser Technologie aktiv für unsere Kunden und uns nutzen“, ergänzt Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung.

„Das ist eine großartige Chance für die Energiewirtschaft und BTL ist begeistert, den Wandel in diesem Bereich durch unsere Interbit-Plattform voranzutreiben”, sagte Guy Halford-Thompson, Geschäftsführer und Mitbegründer von BTL. „Durch die Nutzung der Blockchain-Technologie werden die Energie-unternehmen in der Lage sein, die Kosten mehrerer Geschäftsbereiche erheblich zu senken. Die Beteiligung von Wien Energie an diesem Pilotprojekt wird für alle Beteiligten sehr wertvoll sein.”

Andreas Freitag, Manager bei EY Österreich: „Die Energieindustrie sollte sich aktiv mit der Blockchain-Technologie beschäftigen. Die Auswirkungen auf bestehende Prozesse und Märkte könnte enorm sein. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Technologie zu erproben und das eigene Unternehmen auf die kommenden Veränderungen einzustellen. Das Projekt hilft der Energiewirtschaft das künftige Potential der Technologie noch besser einzuschätzen und hebt das Verständnis, wie das Blockchain-Protokoll die Energiewelt beeinflussen wird.“

Im Rahmen des von Februar bis Mai 2017 laufenden Pilotprojekts testet Wien Energie die Tauglichkeit der neuen Blockchain-Technologie für eine Tradingplattform im internationalen Gashandel.

Potenzialanalyse für die Blockchain-Technologie

Bei Blockchain-Lösungen für die Energiewirtschaft wird beispielsweise die dezentrale Erzeugung in Kleinanlagen (etwa Photovoltaik-Anlagen) mit einem Transaktionssystem kombiniert, das autonom, ohne zentrale Instanz agiert. Durch die Speicherung und Verschlüsselung von Transaktionsdaten auf den Computern der Teilnehmer ermöglicht Blockchain eine sichere Person-zu-Person-Abwicklung von vertrauensbasierten Geschäften. Damit stellt sie einen radikalen Gegenentwurf zur bestehenden Systemarchitektur dar, mit deren Hilfe die Energiewirtschaft auf die Herausforderungen der Dezentralisierung und Digitalisierung der Energieversorgung reagieren kann. Bei einem breiten Roll-Out ergeben sich damit für Energieunternehmen vollkommen neue Marktchancen für Dienstleistungen und Anwendungen. Diese gehen vom Energiehandel, der E-Mobilität bis zum Strom-Sharing oder dem Internet-of-things. So könnte eine Blockchain-Anwendung im Bereich E-Mobilität die Zurverfügungstellung privater Ladestationen an andere User ermöglichen. User könnten über die Blockchain und Smart Contracts (automatisierte Verträge) vollkommen automatisiert an privaten und öffentlichen Ladestationen laden und bezahlen. Die Verrechnung und Dokumentation würde in real-time erfolgen.

Wenn die Crowd mit dem VC kooperiert: Co-Finanzierungen im Crowdinvesting

Was haben eine Logistik-App aus den USA, eine Banking-App aus Israel und ein Zahnersatz-System aus Deutschland gemeinsam? Sie alle werden sowohl von der Crowd als auch von renommierten Venture-Capital-Firmen finanziert. Sowohl in den USA und Israel als auch in Europa kommt es immer häufiger zu Co- und Anschlussfinanzierungen bei crowdfinanzierten Startups. Dabei arbeiten professionelle Investoren wie Business Angels oder Venture-Capital-Gesellschaften und Crowdinvesting-Plattformen zusammen, um die Finanzierung eines Startups zu stemmen.

Co-Finanzierungen in den USA, Israel und Europa

Auf Crowdfunder, einer der führenden US-Plattformen für equity-based Crowdfunding, laufen aktuell drei co-finanzierte Kampagnen. Das Fashion-Startup Style Lend und die Event-App Gigwell werden beide vom renommierten VC-Investor Y Combinator co-finanziert und konnte jeweils schon mehr als 2 Millionen Dollar einwerben. Hinzu kommt die Logistik-App Shipsi, die durch Propellor VC co-finanziert wird und schon 3,7 Millionen Dollar einsammeln konnte.
In Israel ist die Plattform OurCrowd der führende Anbieter für Startup-Investitionen. Aktuell laufen dort zwei Kampagnen, die mithilfe großer VCs co-finanziert werden. Die Banking-App Rewire wird von Moneta Seeds unterstützt und das Startup engie wird vom kalifornischen Risikokapitalgeber 8VC mitfinanziert.
Auch in Europa hat sich ein Trend der Co-Finanzierung zwischen der Crowd und VC-Firmen etabliert. Auf Seedrs, einer der größten britischen Plattformen für equity-based Crowdfunding, lief Anfang August eine Co-Finanzierung für die Banking-App Revolut an. Index Ventures, Balderton Capital und Ribbit Capital investierten zuvor rund 56 Millionen Euro. Auf Seedrs suchte Revolut nach weiterem Wagniskapital. In weniger als 24 Stunden sammelte das FinTech-Unternehmen nochmal 4,5 Millionen Euro über die Crowd ein, wie TechCrunch berichtet.

In Deutschland ist Companisto markführende Crowdinvesting-Plattform für Startups. Dort finden zurzeit zwei große Co-Finanzierungen statt. Das Startup Meine Spielzeugkiste konnte bisher 1,2 Millionen Euro professionellen Investoren einsammeln, darunter Business Angels wie Frank Thelen sowie Venture-Capital-Gesellschaften wie ProSiebenSat.1 und BonVenture. Und das MedTech-Startup NDI AG wurde von VC-Gesellschaften wie IBB Beteiligungsgesellschaften mbH und dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) mit 1 Million Euro ausgestattet und will noch einmal 1,5 Millionen Euro von der Crowd einsammeln.

Sind Crowdinvesting und Venture Capital kompatibel?

Doch woher kommt auf einmal dieser neue Trend? In der Vergangenheit war ein Finanzierungsmix aus Crowdfunding und Venture Capital die Ausnahme. Aus der VC-Branche gab es immer wieder Zweifel an der Vereinbarkeit der beiden Finanzierungsformen. Die größten Kritikpunkte waren dabei die Unerfahrenheit der Crowdinvestoren und der erhöhte Aufwand für einen professionellen Investor, wenn er sich mit der Crowd auseinander setzen musste.
VC-Investoren wurden von der Vorstellung abgeschreckt, mit Hunderten von Mikroinvestoren kommunizieren zu müssen. Diesen Hauptkritikpunkt von VCs und Business Angels haben die meisten Crowdinvesting-Plattformen frühzeitig erkannt. Als Frühphasen-Finanzierer sind sie auf Folgeinvestitionen angewiesen, denn die Startups benötigen weiteres Wachstumskapital, um langfristig erfolgreich zu sein. Daher haben die Plattformen ihre Verträge entsprechend modernisiert.

Die Berliner Crowdinvesting-Plattformen  Innovestment und Companisto zum Beispiel haben in ihren Verträgen eine Pooling-Vereinbarung, durch die die Crowd gebündelt und als ein einziger Gesellschafter behandelt wird. Innovestment bündelt alle Investoren in einer eigens gegründeten Zweckgesellschaft – dem sogenannten Special Purpose Vehicle (SPV) – und vereinfachte damit den Einstieg professioneller Investoren. Companisto bündelt die Investoren zu einer Interessensgruppe und fungiert als Ansprechpartner. So ist nicht jeder neue Darlehensgeber ein eigener Gesellschafter, sondern die gesamte Crowd ist Mitgesellschafter des Startups.
VC-Investoren müssen daher nicht mehr mit jedem einzelnen Crowdinvestor verhandeln, wenn sie in ein Startup investieren wollen. Sollte etwa im Zuge einer Anschlussfinanzierung eine Vertragsänderung der Mikroinvestoren nötig sein, führt die Plattform dazu eine Umfrage unter den Investoren durch. Durch die gesetzlich vorgegebene Beteiligungsform des Nachrangdarlehens ist eine direkte Einflussnahme der Crowdinvestoren auf das operative Geschäft des Startups jedoch ausgeschlossen.

Ebenfalls von Bedeutung für VC-Investoren ist die Vertragslaufzeit. Üblicherweise gilt in der VC-Branche das „First in, last out“-Prinzip, wonach derjenige Investor, der zuerst investiert hat, als letztes sein Geld wiederbekommt. So wollen VCs verhindern, dass Kapital vor einem Exit aus dem Startup abfließt. Daher achten sie auch bei crowdfinanzierten Startups sehr stark darauf, dass die Vertragslaufzeit lang genug ist, um mit dem Kapital zu planen. Die meisten Verträge laufen mindestens sieben Jahre. Das gibt auch späteren Investoren die Planungssicherheit, die sie brauchen.
Auch der Zweifel an der Eignung der Crowdinvestoren konnte kürzlich entkräftet werden, wie aus einem Bericht der FAZ hervorgeht. Demnach verfügt der durchschnittliche Investor auf Companisto laut einer Umfrage über Investmenterfahrung mit Unternehmensbeteiligungen. „70 Prozent sagten […], dass sie langjährig oder regelmäßig investierten, einige wenige (3,4 Prozent) bezeichneten sich gar als Investment-Experten. Mehr als 60 Prozent investieren auch in Aktien, deutlich weniger in Fonds, mehr noch in Tagesgeld – vermutlich als Zwischenparkplatz“, so die Einschätzung der FAZ. Die Fachkenntnis der Crowdinvestoren bestätigt auch ein weiterer FAZ-Bericht, wonach crowdfinanzierte Startups bisher eine niedrigere Insolvenzquote aufweisen als der Branchendurchschnitt.

David Rhotert | © Companisto

Crowd und VCs: Kooperation statt Konkurrenz

Crowdinvesting tritt nicht in Konkurrenz zu den klassischen Wagniskapitalgebern, sondern ergänzt die Branche um eine Alternative in der Frühphasenfinanzierung. Durch die Anpassung der Verträge haben die Plattformen die Weichen gestellt, um beide Finanzierungsformen kompatibel zu machen. Das zeigt sich in der steigenden Zahl von Co- und Anschlussfinanzierungen. Ein weiterer Aspekt, der für eine gestiegene Akzeptanz des Crowdinvesting bei Profi-Investoren spricht, sind Anschlussfinanzierungen. So fungiert die Crowd inzwischen oft als Wagniskapitalgeber der ersten Stunde. Namhafte VCs scheuen vielleicht das Risiko einer Early-Stage-Finanzierung, steigen jedoch nicht selten zu einem späteren Zeitpunkt in das jeweilige Startup ein.

Auf Companisto sind beispielsweise über 85 Prozent aller Startups co-finanziert und etwa 42 Prozent anschlussfinanziert sind. Als Co-Finanzierung versteht man dabei jede Form der Finanzierung, die kurz vor oder während einer Crowdinvesting-Kampagne stattfindet. Eine Anschlussfinanzierung bezeichnet dagegen nur eine Finanzierung, die nach Abschluss der Kampagne stattfindet. Bekannte Beispiele für Anschlussfinanzierungen durch professionelle Investoren sind die Payment-App Cringle (Axel Springer) und sowie das Medizintechnik-Startup EBS Technologies (Earlybird & High-Tech Gründerfonds).
Mit Hinblick auf Deutschland haben die nun vermehrt auftretenden Co- und Anschlussfinanzierungen noch einen weiteren Grund. Die Venture-Capital-Branche hierzulande hat ein strukturelles Problem. VC-Gesellschaften stehen unter einem enormen Renditedruck, um die Erwartungen ihrer Investoren zu erfüllen. Diesen reichen sie in der Regel an die Startups weiter, in dem sie schnelles Wachstum zu jedem Preis fordern. Zugleich zeigen aktuelle Untersuchungen, dass die Exit-Erlöse in Deutschland weiter hinter denen in den USA zurückbleiben. In den USA liegen Renditen aus einem Exit mitunter um den Faktor 50 über den hiesigen.
Diese Tatsache trifft auf einen generellen Mangel an Wagniskapital. In Deutschland wurden im letzten Jahr nur noch 1,9 Milliarden Euro in Startups investiert, wie aus Zahlen des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) hervorgeht. Im Jahr zuvor waren es noch 3,6 Milliarden Euro. Die Kooperation zwischen klassischen VC-Investoren und Crowdinvesting-Plattformen erscheint vor diesem Hintergrund als logische Konsequenz einer Branche, die sich weiterentwickeln muss, wenn Deutschland auf Dauer wettbewerbsfähig bleiben will.

David Rhotert